Magazin: Museen & Institutionen · von Amine Haase · S. 414
Magazin: Museen & Institutionen , 2000

Amine Haase

Schiefe Blicke

Zur Wiedereröffnung des Centre Pompidou, Paris

Mehr als zwei Jahre haben die Renovierungsarbeiten gedauert, bis das Pariser Centre Pompidou wiedereröffnet werden konnte. Die Arbeiten waren nötig geworden, da der Riesenerfolg dieser Kulturmaschinerie im quirligen Beaubourg-Viertel den 1977 eröffneten Bau regelrecht ruiniert hatte. Die Architekten Renzo Piano und Richard Rogers hatten die technischen Bedingungen nach den errechneten 5000 Besuchern pro Tag ausgerichtet. Es kamen aber durchschnittlich 25 000, täglich. Zu den – zahlreichen – Neuerungen, mit denen der Präsident des Centre Pompidou, Jean-Jacques Aillagon, den Akzent des Hauses von der touristischen zur kulturellen Attraktion mit einem großen K verschieben möchte, gehört es, dass schon bezahlen muss, wer auch nur die Rolltreppe benutzt, um von der Terrasse im fünften Stock einen der schönsten Blicke auf Paris zu erhaschen. Zur Restabilisierung des interdisziplinär angelegten Centre sollen alle Disziplinen, die im Hause selber vertreten sind beitragen – von Alltagsdesign und Architektur bis zu Literatur und Film – ebenso die schon bald nach der Eröffnung in ein Nebengebäude geflüchteten Musiker des „Ircam“ sowie Gäste, die immer wieder frischen Wind in das programmgemäß eh schon breite Angebot bringen.

Die Wiedereröffnung des Centre Pompidou hat ihren geistigen Ausgangspunkt also in der Wiederbelebung des interdisziplinären Gedankens, der in den siebziger Jahren den damaligen Staatspräsidenten Georges Pompidou dazu bewegt hatte, das Kulturzentrum in der Nachbarschaft des Hallen-Geländes als kompromisslos zeitgenössisches Bauwerk errichten zu lassen. Etwa die ersten zehn Jahre nach der Eröffnung 1977 hat die Umsetzung des Ideenguts der nach-achtundsechziger Jahre auch recht gut funktioniert, vor allem mit den…

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