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Magazin: Museen & Institutionen · von Amine Haase · S. 412 - 413
Magazin: Museen & Institutionen , 2000

Amine Haase

Welches Museum?
oder
Ceci n’est pas un musée

Das Museum ist tot – es lebe das Museum! Nur welches? Wie kann das Museum in Zukunft definiert werden? Ist es legitim, den herkömmlichen Museumsgedanken beiseite zu schieben und – ohne ihn neu zu fassen – einfach durch Tatsachen zu ersetzen? Das scheint derzeit in den großen Häusern angesagt zu sein, zumindest wird es so in Paris, London, New York praktiziert. Die Folgen scheinen unabsehbar. Zumal die “neue” Museumspraxis eine uralte ist, nämlich die der Vorstufe und des Ursprungs der Museen in den Wunderkammern und Kuriositätenkabinetten. An die nämlich erinnern die neuen Präsentationen der Museumssammlungen des Centre Pompidou und der Tate Modern noch am ehesten. (Siehe die zwei folgenden Besprechungen aus Paris und London.) Das Museum wird nicht mehr als Ort des Kennenlernens der Kultur-Geschichte und -Gegenwart geordnet, sondern als Platz visueller Unterhaltung gestaltet. Dabei ist weder ein Übermaß didaktischer Fingerzeige ausgeschlossen (wie im Centre Pompidou), noch ein Overdrive beliebiger Kunst-Konfrontationen (wie in der Tate). Eine optische Umgewöhnung der Museumsbesucher wäre sicherlich nicht überflüssig, 450 Jahre nach Entstehen der ersten Kunst- und Wunderkammern.

Aber müsste nicht, bevor neue Tatsachen durch neue Präsentationsformen geschaffen werden, theoretische Erläuterungen vorausgehen? Und wenn die in Form einer Warnung à la Magritte vorgetragen würden: “Ceci n’est pas un musée” – dies ist nicht länger ein Museum. Ohne solch vorbereitende Erklärung sieht es nach Willkür aus, vor allem wenn kein überzeugendes Konzept sichtbar wird: Es sieht nach dem allerorten üblichen Quotenfang aus, wenn der Entertainment-Faktor zu sehr in den…

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