Magazin: Kulturpolitik , 1996

Marius Babias

Schiller-Killer Roloff-Momin

Die Jahresbilanz ’95 des Berliner Kultursenators

Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 22. Oktober ’95 waren für Kultursenator Roloff-Momin eine bittere politische Niederlage. Von der SPD-Spitzenkandidatin Ingrid Stahmer gedemütigt und von CDU-Fraktionschef Landowsky verhöhnt, der den Posten des Kultursenators für seine Partei beansprucht, wird Roloff dem neuen Senat voraussichtlich nicht mehr angehören. Die erwartete Große Koalition wird Roloffs glänzende politische Karriere beenden.

Der aus Protest gegen die „Bonner Wende“ 1982 aus der FDP ausgetretene Jurist ist seit 1991 Kultursenator, gilt als SPD-nah und als Frauenfreund. Er behielt den Namen seiner ehemaligen Lebensgefährtin und nennt sich gleichberechtigt Roloff-Momin. Mit einem Jahres-etat von rund 1,1 Milliarden Mark belegt er unter 16 Senatsressorts Platz fünf. Die Berliner Theater erhalten 496 Millionen Mark Sterbehilfe jährlich, gefolgt von den Museen mit 192 Millionen. Roloffs kompromißlose Art, sich zu kompromittieren, überrascht spätestens seit der Schließung des Schillertheaters seine Gegner. Bis auf das Hickhack um die Bonner Kulturförderung verlief 1995 insgesamt ruhig. Ausgerechnet mitten im Wahlkampf leistete sich der Ex-Präsident der Hochschule der Künste (1977-1990) dann doch ein paar Pannen. So vermietete er das Schillertheater an Veranstaltungsmulti Peter Schwenkow für eine Jahresmiete von nur 8.000 Mark, für die SPD-Fraktion „eine glasharte Subvention“. Schwenkow, Betreiber u.a. des Wintergarten-Varietés und der Waldbühne, plant eine Aufführungsstätte für Musicals und Historicals. Der Vertrag läßt ihm eine Hintertür offen: Sollte das Unternehmen finanziell scheitern, kann er nach vier Jahren aussteigen. Den Scherbenhaufen darf dann der Steuerzahler wegfegen.

Zweite Panne: Als im Mai bekannt wurde, daß Heinz Berggruen Teile seiner millionenschweren Kunstsammlung nach Berlin…

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von Marius Babias

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