Magazin · von Justin Hoffmann · S. 501
Magazin , 2001

Schnittstelle

Georg Stanitzek, Wilhelm Voßkamp (Hg.), Schnittstelle. Medien und kulturelle Kommunikation

Der Grundtenor in deutschen Veröffentlichungen der Kulturwissenschaft unterscheidet sich immer noch wesentlich von dem der Cultural Studies der angloamerikanischen Forschung. Tendenziell erscheinen letztere als politischer und differenzierter, gehen sie doch von unterschiedlichen sozialen Gruppen aus, die nach ökonomischen, geschlechtlichen und ethnischen Kriterien formatiert sind. Entwicklungen der Kommunikation und Medien werden aus diesem Gesichtpunkt betrachtet. In Aufsatzsammlungen der deutschen Kulturwissenschaft wird jedoch in der Regel vom Menschen allgemein jenseits einer sozialen Praxis ausgegangen. Mit dieser universalistischen Perspektive wirken die Betrachtungen zu Veränderungen, die die Neuen Medien bewirken, eigenartig abstrakt. Dieser grundsätzlichen Problematik kann sich auch der Band „Schnittstelle. Medien und kulturelle Kommunikation“, herausgegeben von Georg Stanitzek und Wilhelm Voßkamp, nicht wirklich entziehen. Auch wenn „Repräsentation“ als ein Schwerpunktthema dieser Aufsatzsammlung erscheint, erschöpft sich dieses Thema häufig in gelehrter Metaphorik (Bredekamp: Leviathan für Internet; Stanitzek: Fama für Fernsehen etc.). Als weitere zentrale Themen werden „Kommunikation“, „Medien“ als Formen und Kulturen der Kommunikation, sowie „Archive“ als die Voraussetzung von Kommunikation angegeben. Natürlich können auch grundsätzliche zeichen- und medientheoretische Fragestellungen von Relevanz sein. So untersucht Elena Esposito Perzeptionsaspekte der interaktiven Kommunikation und beschreibt das Internet als eine Interaktivität nicht zwischen Kommunikationspartnern, sondern zwischen Mensch und Maschine. Die Kommunikation hängt letztlich von Kriterien der Softwareprogramme ab. Der Kommunikationsbegriff wird dabei grundlegend in Frage gestellt. Interessant werden die Untersuchungen besonders dann, wenn Alltagskultur ins Spiel kommt. Anhand einer Betrachtung der Pornographie geht Gertrud Koch den physischen Auswirkungen des Sehens nach. Sie sieht darin einen kulturellen Bereich, in…

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