Titel: Der gerissene Faden , 2001

HILDE TEERLINCK

Überlebensgröße

STEFAN BANZ IM MIGROS MUSEUM ZÜRICH

Beim Gang durch die Einzelausstellung von Stefan Banz vor kurzem im Migros Museum in Zürich konnte man meinen, man sehe eine eklektisch zusammengestellte Gruppenausstellung mit Werken von verschiedenen Künstlern. Unterschiedliche Techniken (Skulptur, Video, Fotografie, Malerei, Installation, Text) werden nebeneinander präsentiert. Erst wenn wir genauer hinsehen, können wir die Hinweise auf die komplexe Strategie des Künstlers für diese sehr persönliche Zusammenstellung verstehen.

Stefan Banz hat seiner Ausstellung den Titel „Gulliver“ gegeben, nach dem vierbändigen Roman von Jonathan Swift. Die meisten der neuen Arbeiten, die er eigens für diese Ausstellung produziert hat, beziehen sich unmittelbar auf die Abenteuer des fiktiven Helden Lemuel Gulliver. In irgend einer Weise handeln die meisten dieser Geschichten von Größenverhältnissen. Die Hauptfigur in Swifts Roman wird auf verschiedenen Reisen mit fremdartigen, seltsamen Umgebungen konfrontiert, die ganz klein (wie das Zwergenvolk von Liliput) oder riesenhaft sein können. Wir haben einen ähnlichen Eindruck, wenn wir vor den übergroßen Familienfotos in riesigen weißen Rahmen stehen, die den Eingangsbereich des Migros Museums buchstäblich blockieren. Ein sanftes Schaf in einer hübschen Wiese schaut uns wie ein schreckliches Monster an. Banz‘ Tochter Lena wird zur bedrohlichen, zähnefletschenden Vampirella. Alltägliche Gegenstände nehmen die Dimensionen von amerikanischen Lastwagen an.

Um die Ecke treffen wir auf eine idyllische Landschaft, die mit echtem Gras bewachsen ist. Ein paar weiße Miniaturnashörner spazieren in dieser Märchenwelt umher. Alles macht einen friedlichen Eindruck, und es scheint keine Gefahr zu geben. Einige der Viecher scheinen einen Bildschirm zu betrachten. Dieser zeigt das Bild eines weiteren, ähnlichen Nashorns. Dabei…

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von Hilde Teerlinck

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