Titel: Malerei · von Heinz-Norbert Jocks · S. 185
Titel: Malerei , 2005

Heinz-Norbert Jocks

Sighard Gille

Endlich Angekommen in der Welt

H.-N.J.: Was hat sich für Sie durch den Mauerfall verändert?

S.G.: Mit Gorbatschow kündigte sich in den Jahren 1985/86 eine Veränderung in Richtung mehr Freizügigkeit an. Da war eine Loslösung von dem immerwährenden Druck zu spüren. Man kannte das System der DDR zugenüge. Es wurde unglaublich langweilig. Mit der Malerei versuchte ich zu provozieren. Vielleicht hätte ich ganz auf die Malerei verzichten sollen. Dass ich es nicht tat, hing wohl oder übel mit meinem Jahrgang zusammen. Ich bin ja 1941 geboren. So malte ich eine Brigade gemäß einem Auftrag. Wie Goya mit seiner Königsfamilie“ versuchte ich, jedem Arbeiter“ gerecht zu werden. Das war zwar kein Erfolg, aber immerhin eine andere Haltung als die erwartete. Damals war es üblich, den Arbeiter auf das Podest zu heben. Er sollte so edel wie heldenhaft, ja vorbildhaft wirken. Als Familienvater, der von der Malerei leben wollte, nahm ich noch einen zweiten Auftrag an. Von Heisig war zu lernen, Aufträge, auch wenn sie einem nicht schmecken, nicht von vornherein abzulehnen, sondern erst einmal so lange hin- und herzuwenden, bis man vielleicht eine Ecke gefunden hat, die einen packt. Selbst bei einem noch so idiotischen Auftrag lässt sich etwas finden, was einen reizt, und wenn es auch nur die Idiotie des Titels ist. So nahm ich einen zweiten Auftrag für eine Brigade an, wobei ich keineswegs beabsichtigte, Brigademaler der DDR zu werden. Insofern beschloss ich, diese im Bild so feiern zu lassen, wie ich es erlebt hatte, nämlich ziemlich high und…

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