Magazin · von Martin Pesch · S. 475 - 475
Magazin , 1999

Sounds des Fremden

»Exotica« – das neue Buch von David Toop

Die Begegnung Claude Debussys mit balinesischer Musik bei der Pariser Weltausstellung 1889 benutzte David Toop in seinem letzten Buch „Ocean of Sound“ als Ausgangspunkt, um die Geschichte der Musik des 20. Jahrhunderts als Auseinandersetzung mit Klang, Geräusch und Stille zu schreiben. Dieser Fokus auf den Sound, verstanden als Gegenmodell strukturiert-komponierter Musik, ermöglichte die Bildung von Traditionslinien, die auch die aktuellen Spielarten elektronischer Musik oder auch bislang ausgeschlossene Exzentriker wie Lee Perry und Sun Ra als Bestandteile des Kanons zeitgenössischer Musik betrachten.

Die Auseinandersetzung von Claude Debussy mit der indonesischen Gamelan-Musik hätte in gewisser Weise auch Ausgangspunkt von Toops neuem Buch „Exotica“ sein können. Denn in ihm geht es vornehmlich um die Arten und Weisen der Einverleibung „fremder“ Musik, ihre Metamorphose in den Kompositionen nordamerikanischer und europäischer Komponisten. Dem englischen Musikjournalisten, der regelmäßig für Publikationen wie ,The Wire‘, ,The Face‘ und ,The Times‘ schreibt und der 1991 das als Standardwerk über Hip Hop geltende Buch „Rap Attack“ veröffentlicht hat, geht es dabei insbesondere um das Aufspüren von Gründen für die Verkünstlichung exotischer Einflüsse und ihrer Banalisierung als Klischees. Dementsprechend lautet der Untertitel des Buches: „Fabricated soundscapes in a real world“.

In den letzten Jahren fiel das Hauptaugenmerk der Cultural Studies auf die Produktion von Bildern – seien diese visuell, akustisch oder literarisch – des „Fremden“ innerhalb der westlichen Kultur. Edward Said hat in seinem Buch „Orientalism“, einem Grundlagentext dieser kulturwissenschaftlichen Richtung, gezeigt, wie der Orient als das radikal Andere der europäischen Kultur innerhalb ihrer…

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