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Ausstellungen: Herne · von Hans-Jürgen Hafner · S. 336 - 337
Ausstellungen: Herne , 2004

HANS-JÜRGEN HAFNER
Sven Drühl/Stefan Wissel:

“Poplieferanten”
Flottmann-Hallen, 3.4. – 27.6.2004

Als Handlungsreisende in Sachen Pop stellen Sven Drühl (Jg. 1968) und Stefan Wissel (Jg. 1960) ihr Musterköfferchen in den Flottmann-Hallen, Herne, ab. Zugegeben, es ist keineswegs leicht, der rauh-charmanten Architektur des Industriedenkmals künstlerisch entgegenzutreten. Drühl und Wissel präsentieren sich jeder vorteilhaft, jedoch mit zwei unterschiedlichen Ansätzen.

Sven Drühl probt den Remix. Das gilt für die Bildfindung zu seinen Gemälden und Zeichnungen ebenso wie für die theoretische Legitimation seines Malerei-Konzepts. Er versteht sich nicht als Maler, eher als “Konzeptler, der im Medium Malerei agiert”. Dafür arbeitet er mengenweise 80er Jahre-Material ab.

Für Herne hat Drühl vor Ort produziert. Das Resultat sind zwei Bilder, strenggenommen Zeichnungen, mit farbigem Silikon auf Leinwand ausgeführt. Ohne Wissen ums Konzept präsentieren sich damit zwei elegant-reduzierte, höchst dekorative Bild-Objekte, die auf Zitat- bzw. Sample-Basis grafisch reduzierte Landschaftsmotive etwa von Caspar David Friedrich und Ferdinand Hodler einmal im Hochformat, ausserdem als panoramatisches Tryptichon durchspielen. Daran ließe sich vielleicht ein Diskurs über Schönheit knüpfen oder einmal mehr die Frage nach Original vs. Kopie/Appropriation (Ja genau! Die 80er!) stellen; und dazu Kennerschaft beim Entschlüsseln der detaillierten Titel-Abbreviaturen (“C.D.F.I.S.F.H.P.V.R.E.K”) beweisen.

Mir scheint interessanter, dass Drühls Bilder ohne Kenntnis des umfangreichen Theorie-Vorlaufs vor allen Dingen hübsch brav wirken. Nicht nur die beiden aktuellen in Herne gezeigten. Üblicherweise dienen ihm die Silikon-Outlines als Beschränkungen für wilde Farb-, Schütt- und Zumal-Orgien; wobei – und das ist dem Künstler anzurechnen – die in Malerkreisen zu oft strapazierte “bad”-Attitüde aussen vor bleibt. Tatsächlich richten sich seine konzeptuellen Reflexionen nicht an das…



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von Hans-Jürgen Hafner

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