Monografie · von Peter Funken · S. 226
Monografie , 2006

Peter Funken

Tobias Hauser

Kunst produzieren, um Macht erkennbar und kritisierbar zu machen

In seinem viel beachteten Text „Jene zwanziger Jahre“ formulierte Theodor W. Adorno 1962 in Hinblick auf die Kunst und Kultur der Gegenwart folgenden Gedanken:

„Der Begriff einer nach Auschwitz auferstandenen Kultur ist scheinhaft und widersinnig, und dafür hat jedes Gebilde, das überhaupt noch entsteht, den bitteren Preis zu bezahlen. Weil jedoch die Welt den eigenen Untergang überlebt hat, bedarf sie gleichwohl der Kunst als ihrer bewusstlosen Geschichtsschreibung. Die authentischen Künstler der Gegenwart sind die, in deren Werken das äußerste Grauen nachzittert.“

Diese Wahrnehmung Adornos, sagt der in Berlin lebende Künstler Tobias Hauser, sei für ihn prägend gewesen, er verstehe sie, wie eine Mahnung und im Sinne eines einzulösenden Anspruchs.

Tobias Hauser, 1959 in München geboren, ist ein Künstler in dessen Werk die Idee einer politischen Kunst aufscheint, ohne dass er dem Missverständnis erliegt zu glauben, dass Kunst bereits Politik sei, sie ersetzen könne oder uns, die wir in der Demokratie am Prozess des Politischen teilhaben, von gesellschaftlichen Interessenskonflikten befreie. Vielmehr begreift er seine Arbeit – ähnlich wie es Thomas Hirschhorn bezeichnete – als eine „Kunst auf politische Art“, als ein persönliches und öffentliches Störfeuer im Bereich des Ästhetischen und als eine Wirklichkeitsbeschreibung angesichts von Wirklichkeitslügen. Hausers Kunst lässt sich nicht als eine „bezahlte Polit-Provokation“ verorten, die dem Künstler-Provokateur einen sicheren Platz in den Kunstmarkt-Charts sichert, sondern als eine tief gehende Auseinandersetzung mit den vermeintlich festgelegten Konventionen, Zeichensetzungen und Reglements einer Gesellschaft, die sich nach seiner Auffassung vor allem über Konsum, Konkurrenz, Nationalismen und…

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