Ausstellungen: Bonn , 1999

Frank Frangenberg

Transmitter

Asta Gröting, Mark Manders, Luc Tuymans, Martin Walde

Bonner Kunstverein, 22.9. – 14.11.1999

Das amerikanische Fernsehen zeigt in seinen Serien, dass wir geneigt sind in der Übernahme definierter Funktionen und der Akkumulation von Spezialwissen ein gesellschaftliches Gelingen garantiert zu sehen. „Sentinel“, „Pretender“ finden ihre Serientitel nach den zufälligen Eigenschaften ihrer Protagonisten mit telekinetischen Fähigkeiten usw. bestens ausgerüstet das Unkontrollierbare am menschlichen Wesen zu überwachen. Wenn amerikanische Fernsehserien lakonische Titel tragen, die paranormale Funktionsträger zu Titelhelden machen, vermutet man im ähnlich unbestimmten Titel „Transmitter“ der aktuellen Ausstellung im Bonner Kunstverein eine ähnlich gelagerte Motivation.

„Transmitter“ sind chemische Substanzen, Botenstoffe zwischen unseren Nervenzellen, ein Transportsystem der Informationen, die der einen Zelle etwas von der anderen Zelle erzählen. Transmitter ist ein Begriff aus der Neurophysiologie. Die Neurophysiologie, die verspricht irgendwann erklären zu können, wie unsere Wahrnehmung unter welchen Bedingungen zustande kommt, ist das aktuelle metaphorologische Feld kunsttheoretischer Ansätze, der Kunst mit einer neuen Nomenklatur neue Effekte abzugewinnen. Die Ausstellung im Bonner Kunstverein heißt „Transmitter“, weil die versammelten vier Künstler „mit ihren Arbeiten vor dem Hintergrund dieses Diskurses die Frage nach dem menschlichen Subjekt aufwerfen“. Sollte Kunst jemals etwas anderes gewesen sein als die Frage nach dem menschlichen Subjekt? Die eingeladenen vier künstlerischen Positionen „als Botenstoffe mentaler Ressourcen“ zu bezeichnen, wie es Harald Uhr in seinem Einführungstext zum Katalog der Ausstellung „Transmitter“ betreibt, verrät die mangelnde Bereitschaft, die Arbeit des neurophysiologischen Paradigmas, das die Grundlagen menschlicher Wahrnehmung versucht zu beschreiben, wirklich in Anspruch zu nehmen. Zweifel dürfen angemeldet werden, da die Nomenklatur nur angerissen wird und…

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von Frank Frangenberg

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