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Ausstellungen: Bonn · von Susanne Boecker · S. 354 - 355
Ausstellungen: Bonn , 2010

Susanne Boecker
update

»Die Welt als Modell«
Montag Stiftung Bildende Kunst, Bonn, 4.9. – 31.10.2010

Die Raiffeisenstraße in Bonn ist eine kleine Stichstraße, die von der breiten Adenauer-Allee in Richtung Rhein verläuft. An ihrem Ende liegt die leer stehende historistische Villa Prieger, im letzten Jahr Schauplatz des Ausstellungsprojekts „Eine Höhle für Platon“ der Montag Stiftung Bildende Kunst. Auch in diesem Jahr veranstaltet die Stiftung in direkter Nachbarschaft zu ihrem Campus ein Kunstprojekt im (halb-)öffentlichen Raum. Der Schauplatz der Gruppenschau „update – Die Welt als Modell“ ist diesmal allerdings wesentlich nüchterner: ein schmuckloser zweigeschossiger Gebäuderiegel aus den 1950er-Jahren. Über zehn Jahre lang war hier die Diplomatenschule des Auswärtigen Amtes untergebracht. Später nutzte das Amt den Bau (von den Mitarbeitern die „Baracke“ genannt) als Bürogebäude. Seit sechs Jahren steht das Gebäude leer.

Interessanterweise scheint der Zweckbau nicht auf jungfräulichem Boden errichtet worden zu sein: An seine Schmalseite schmiegen sich nämlich die Überreste eines halbkreisförmigen Backsteingemäuers, dessen drei in die Höhe gestaffelte Spitzbogenfenster sofort an die Apsis einer Kirche denken lassen. Handelt es sich um den Überrest eines im Krieg zerstörten Sakralbaus, den man aus denkmalpflegerischen Gründen erhalten hat? Immerhin reicht das Gemäuer bis zur Traufe des Neubaus. Von einem historistischen schmiedeeisernen Zaun abgeschirmt und von hohen Nadelbäumen flankiert, bietet diese Fassadenseite einen idyllischen Anblick mit historischem Touch und kontrastiert mit der gänzlich schmucklosen Hauptfassade.

Beim sprichwörtlichen Nähertreten entpuppt sich das vermeintliche Ensemble aus Alt und Neu jedoch als Fake: zu grob gemauert sind die Bögen, zu schlecht sitzen die Fenster in den spitzbogigen Laibungen. Tatsächlich datiert…



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