Ausstellungen: Amsterdam · von Frank-Alexander Hettig · S. 392
Ausstellungen: Amsterdam , 1992

Frank-Alexander Hettig

Wanderlieder

Stedelijk Museum, Amsterdam, 8.12.1991 – 9.2.1992

Die Veränderungen und Umwälzungen in Europa vergangenen Jahres haben sicher ihren Ausschlag im geschichtlichen Bewusstsein der Künstler und bringen neue Impulse hervor.

An 13 europäische Künstler gab Wim Beeren, Direktor des Stedelijk Museums, den Auftrag, über ihr Verhältnis zu den veränderten kulturellen Umständen mit Hilfe von Wandgemälden zu berichten. Künstler als Handwerksburschen, die ihre persönlichen „Wanderlieder“, Geschichten, Volksliedern gleich mit erzählendem Einschlag, in je einem Saal illustrieren sollten. Diese „fahrenden Gesellen“ verkündeten keine Ideale oder Utopien, die wir heimlich doch gerne prophezeit sehen möchten, sondern meist trockene Kommentare zum Zusammenbruch, Ausbruch und Aufbruch des alten Europas, da die reale Geschichte keine Mythisierung benötigt.

Die osteuropäischen Künstler haben den ihnen gestellten Auftrag in ihren Installationen durch ihr persönliches Universum eindrucksvoll und anschaulich zum Ausdruck gebracht.

Ein Berichterstatter der Gesellschaftsgeschichte ist sicher der Rumäne Ion Grigorescu. Er flicht eher Zeitdokumente seiner Erinnerung mit Bildern aus der christlichen Ikonographie zusammen. Diese traditionell erzählenden Fragmente, als gesplittete Bildstrukturen, erscheinen uns wie Visionen und Halluzinationen, da über allem der megalomane Palast des Exdikators Ceauçescu trohnt: Zwischen den „Idyllen“ der Klischees: der Judaskuß.

Martin Mainer aus der Tschechoslowakei setzt sich nicht mit seinem gesellschaftlichen oder politischen Erbe auseinander: Die dekorativen und illusionistischen Elemente des Barocks werden durch ihn auf Sperrholzplatten in verschwommener und verzerrter Weise gemalt. Die abgebildeten barocken Elemente eines Altars sind für ihn ein Ausdruck des weiblichen lebenbringenden, erotischen Prinzips.

Die vielerlei Interpretationen von christlichen Symbolen, Zitate aus der Kunstgeschichte und Embleme werden durch das jugoslawische Kollektiv IRWIN (siehe KUNSTFORUM, Bd. 116, S….

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