Biennalen: Lyon , 1996

Maribel Königer

3. Biennale für zeitgenössische Kunst

Musée d’art contemporain/Palais des Congrès, Lyon,

20.12.1995 – 18.2.1996

In der dritten Ausgabe hat die Biennale für zeitgenössische Kunst in Lyon auf den bisher üblichen Titel verzichtet: alle großen Biennalen seien sich namensmäßig selbst genug (Venedig, São Paulo, Sydney, Whitney…), hieß es schon im Vorfeld gegenüber der Presse. Andererseits war „Lyon“ diesmal programmatisch eingegrenzt wie noch nie. Der Kunst mit elektronischen Medien war die auf zwei benachbarte Orte, das neue Musée d’art contemporain von Renzo Piano und den zum anschließenden Abriß bestimmten, alten Kongreßpalast, verteilte Ausstellung diesmal ausschließlich gewidmet. Im deutschsprachigen Raum, wo unter anderem Wulf Herzogenrath die Geschichte der Videokunst mehrmals vorgestellt hat, wo mit der Ars Electronica in Linz ein jährliches Konzil für Anhänger aller digitalen Glaubensrichtungen stattfindet und wo im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie ein Sammelpunkt für technisch fortgeschrittene Kreative besteht, reißt dieses Konzept niemanden mehr vom Hocker. Doch auch in Frankreich gab und gibt es genügend Gelegenheiten interaktive Installationen, Cyberkunst und Videoprojektionen in Augenschein zu nehmen. Eine Gesamtschau, die zugleich einen historischen Rückblick und einen aktuellen Überblick ermöglichen will, ist allerdings noch nicht versucht worden, und so hat das Unternehmen grundsätzlich durchaus seine Berechtigung.

Als Terminus post quem für das Auftreten elektronischer Medien entschieden sich die Biennale-Kuratoren Thierry Raspail und Thierry Prat vom Musée d’art contemporain de Lyon (diesmal assistiert von Georges Rey) für 1963. In diesem Stichjahr stellte Wolf Vostell zum erstenmal – und noch avant la lettre – eine elektronisch manipulierte Videoarbeit her („Sun in your head“); außerdem inszenierte er…

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von Maribel Königer

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