Biennalen: Frankfurt a.M. · von Rainer Metzger · S. 354
Biennalen: Frankfurt a.M. , 1996

Rainer Metzger

Prospect 96

Kunstverein und Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 9.3. – 12.5.1996

Peter Weiermair, Direktor des Frankfurter Kunstvereins und nunmehr zum vierten Mal Organisator der triennalen Konter-documenta „Prospect“, macht gar kein Hehl daraus, daß die Schneise, die er dieses Mal in den Dschungel der aktuellen Bildproduktion schlägt, einem fremden Plan folgt. Die Stadt Frankfurt ist bekanntlich pleite, der Kunstverein nagt am Hungertuch, also wurde nolens volens ein Sponsor organisiert. Dieser, eine Bank, begeistert sich am Lichtbild, und entsprechend lag es schlicht nahe, dem Geldgeber entgegenzukommen. „Photographie in der Gegenwartskunst“, so der Untertitel der „Prospect 96“, wird also gegeben. Das Ergebnis fügt sich zu einer der überzeugendsten Großausstellungen von Kunst der Neunziger in eben dieser Dekade. Die Vorführung nämlich ist von geradezu orthodoxer Stringenz.

Nicht, daß die versammelten Arbeiten allesamt so großartig wären – vieles hat ganz im Gegenteil eine erschreckend kurze Verfallszeit. Die konturenlosen Konterfeis des Duos Aziz + Cucher – ein Computer hat den Gesichtern die Signaturen der Identifizierbarkeit, Augen und Mund vor allem, ausgelöscht- gehen einem spätestens bei der dritten Begegnung auf die Nerven. Die Schmalspurpornos des japanischen Modeartisten Nobuyoshi Araki mit ihren Models in Billig-Bondage verlieren sich ebenso rasch in der Spekulation mit dem reinen Augenkitzel. Schließlich erschöpft sich auch die allzu demonstrative Schnappschuß-Unschuld mancher fotografischer Objets trouvés, etwa jener in den Arbeiten von Rineke Dijkstra, in dem, was sie in aller Schlichtheit ja auch sein will, in der Konvention nämlich.

Weiermair folgt auch in dieser „Prospect“ dem nicht zuletzt von ihm selbst ausgetretenen Pfad der Body Art. Daß daraus ein Trend…

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