Titel: Das Brennende Bild , 1987

A. William Blake

der Pneumatiker als Genie

William Blake (1757-1827) mag uns als der erste große Pyromane der neueren Kunstgeschichte gelten. Wie ein roter Faden, oder besser: wie eine nervös-leuchtende Spur, durchzieht das Feuer nahezu sein gesamtes Werk. Starke Analogien müssen herrschen zwischen Blakes Interpretation der Flamme und der eigenen Kunst, denn beiden kommt ein außerordentlicher, ereignishafter Charakter zu, der für die traditionellen Bild- und Kunstgattungen ohne Sinn war. Von einer »flammenden Linie« konnte ein Interpret sprechen, aber ein solcher Linearismus wird in Blakes Werk nur selten wirklich faßbar; jene eigentümliche Verwandtschaft muß eher aus einem Funktionszusammenhang erklärt werden.

Was Blake vornehmlich interessierte, war das ganz andere der sinnlichen Wahrnehmung. Radikal setzte er sich ab vom vedutischen Blick der Landschafter seiner Zeit, vom virtuosen Akademismus eines Josuah Reynolds, aber ebenso vom Sturm und Drang, wie er in Johann Heinrich Füsslis Werk oder bei James Barry, Steven Runciman und anderen faßbar wird, wenngleich unter letzteren noch die nächsten Verwandten zu finden wären. Eine gewisse Affinität zur neuen Katastrophenthematik soll bei Blake nicht geleugnet werden, obwohl sie ihn nicht als unmittelbar bedrohendes Ereignis, nicht als Aufrüttelung elementarer Naturkräfte, eher noch als fernes, dabei visionäres Schauspiel reizte. Selbst dort, wo Blake den Tagesterror zu illustrieren meinte, geriet ihm alles in mythische Distanz. Blakes Eigenart, ja Einzigartigkeit, wird erst aus den okkulten Quellen verständlich, die seine Geistigkeit von Anfang an prägten und die bislang in der Kunstgeschichte wenig direkte Spuren hinterlasen hatten. Es sind dies vor allem religiöse Heilslehren, wie sie der spätantike Synkretismus geschaffen hat; hermetischer,…

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