Ausstellungen: Münster · S. 334
Ausstellungen: Münster , 1987

Friedemann Malsch

Georg Herold »1:1«

Westfälischer Kunstverein 8.10.-30.11.1986

»Ich bin generell gegen eine Sicht der Schönheit«, sagt Georg Herold. Frei von jeglichem Drang nach Ausdruck, bar jeder Gefühlsduselei oder auch eines Willens zur Vernunft stellte er sich unerschrocken dem schwer zu bewältigenden Raum des Westfälischen Kunstvereins. Wie schnörkellos die Arbeiten Herolds sind, verdeutlicht schon der Titel der Ausstellung. Er klingt wie ein Motto, das sich der Künstler für seine erste große Einzelausstellung angesichts des zu füllenden Raumes und seiner Monumentalität gestellt hat, und vielleicht ist daran ja auch ein Fünkchen Wahrheit.

Darüber hinaus verdeutlicht er auch einen in der letzten Zeit deutlicher gewordenen Aspekt seines künstlerischen Arbeitens: er bringt die heroldschen Dinge – um es mit des Kanzlers Wort zu sagen – »auf den Punkt«.

Nicht Maßstabsgerechtigkeit sondern Maßstabsechtheit ist Herolds Signet. Vorbei der Entwurfscharakter der Moderne, ihr Modellhaftes, das zwischen dem Realen und dem Imaginären einen numerischen Adapter anzubringen gezwungen war. Wenn schon Maßstab, dann kann es sich nur um die Gleichheit handeln, um das Eins-zu-Eins.

Die 11 kleinformatigen Bilder, u.a. aus den Serien der »Carcinogene« und der »Russen«, kombiniert mit einem Exemplar der Unterhosen-Objekte aus der Serie »Deutschsprachige Gipfel«, zeigten ein Spektrum der Arbeit der letzten drei Jahre. Diesen Bildern haftet etwas Anekdotisches an, das auch durch forcierte Coolness wie bei den Unterhosen-Objekten nicht eliminiert werden kann. Die teilweise widerwärtig milchige Glasur der Bilder und der Eindruck von Inspirationsbaisse bei gleichzeitiger Produktionshausse in den Formelbildern zeigen Reste einer ethisch begründeten künstlerischen Tätigkeit. Diese Arbeiten haben denn wohl auch dazu beigetragen, daß Herold oft im…

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