Ausstellungen: New York , 1987

Johannes Stahl

Neue Spraybilder aus New York -das Ende des Graffiti-Booms

Bekanntlich waren in New York City die Graffiti auf die U-Bahn gesprungen und hatten auch vor der Kunstwelt nicht halt gemacht. Vor einigen Jahren stellten die Leinwandbilder unterdessen personifizierter New Yorker Sprayer Attraktionen auf den großen europäischen Kunstmessen und den Ausstellungen zur Situation dar. Renommierte Kunstvermittler wie das Museum Boymans von Beuningen oder die Galleria d’Arte Moderna in Bologna stellten Spraykünstler aus. Man konnte in bekannten Galerien solche Leinwände kaufen. Graffiti wurden als Bestandteil von ethnisch geprägten Subkulturen begriffen wie die Hip-Hop-Mode oder der Rap. Auf den Straßen tanzten Breaker und in den Discos deren Nacheiferer.

Heute ist es stiller geworden um diese Bewegung. Die Muse des Kunstbetriebs hat sich woandershin gewendet. Eine bedeutende Kölner Buchhandlung faßt im Lagerkatalog unter der Überschrift Graffiti/Wandmalerei sozusagen die letzte abgeschlossene Kunstepoche nach Fluxus zusammen, um dann mit dem Titel »Neue Tendenzen/Kunst der Achtziger Jahre« die Jetztzeit einzuläuten.

Was ist los mit dieser Kunstbewegung, deren Hauptvertreter so großes Aufsehen erregten und die allein in New York von mehreren tausend Sprayern getragen wurde?

Nach wie vor gibt es alle möglichen Graffiti auf den Subwaywagen: Namenszüge, wie sie auf allen sehenswerten Monumenten der Welt zu sehen sind, die in New York »tags« genannt werden und an Kalligrafien erinnern. Es gibt auch noch die spektakulären »whole cars«, ganze bemalte Wagonseiten.

Diese anerkanntermaßen edelste Gattung der Subway-Kunst wird allerdings immer seltener.

Meister wie MESH, REAS und AGE haben höhere Zäune und mehr Polizeiüberwachung zu überwinden als ihre Vorgänger. Der Konkurrenzkampf der Sprayer untereinander ist…

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