Nachrichtenforum: Aktionen, Pläne & Projekte , 2006

BERLIN: OKKUPATION

Berlin-Neukölln gilt seit einigen Jahren als Problembezirk – von Straßenschlägern und Drogendealern bis zu Schutzgelderpressern in der Gastronomie tummeln sich hier so ziemlich alle diejenigen, welche die Schattenseiten der Hauptstadt repräsentieren und dem Viertel den Ruf einer „Bronx von Berlin“ eingetragen haben. Wenn gerade hier Politik und Verwaltung sozio-kulturelle und künstlerische Projekte fördern, so hoffen sie, damit ein wenig der urbanen Verwilderung entgegenzuwirken zu können. Zu solchen Projekten gehört auch die Veranstaltungsreihe „Okkupation“ mit künstlerischen Interventionen im öffentlichen Stadtraum. Im Frühjahr 2004 startete „Okkupation“ mit einem Symposion. Nach einer ersten Runde mit Arbeiten auf öffentlichen Plätzen im September 2005 fand soeben im Sommer 2006 ein zweiter Teil an sechs verschiedenen Orten des Bezirks zwischen Rudow, Rixdorf und Brix statt. Als Kuratoren betreuten Birgit A. Schumacher und Uwe Jonas die einzelnen Beiträge, mit denen sich die Künstler an die „komplexen Wirklichkeiten Neuköllns“ annäherten. Eva Hertzsch und Adam Page verwandelten zusammen mit dem Internationalen Bund BZ Neukölln einen Bauwagen in einen medialen Showroom für Sportübertragungen. Die Künstlergruppe ILAP (Indoor Land Art Programme) visualisierte die Forschungen von Norbert Mayer über terrestrische und kosmografische Phänomene in Neukölln: Die Gruppe ließ einen Spielmannszug entlang eines von Mayer entdeckten „Geräusche-Meridians“ quer durch den Bezirk marschieren. Tatzu Nishi installierte eine überdimensionale Uhr über dem Eingang des U-Bahnhofs Wutzkyallee. Der Bildhauer Christian Hasucha verlegte einen Grashügel in die Höhe, und zwar sieben Meter über dem Erdboden. Diese „Luftinsel“ konnte von der Bevölkerung als Aussichtspunkt und Picknickplatz genutzt werden. Veronika Kellndorfer nannte ihren Beitrag „Agglomération – Das…

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