Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 222
Gespräche mit Künstlern , 2016

Anselm Kiefer

Das Taktile und das Intellektuelle

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks
anlässlich der großen Retrospektive im Centre Pompidou

Paris liegt ihm zu Füßen. Auf einer Fläche von 2000 m², in zehn Räumen des Centre Pompidou wird die erste Retrospektive (16.12.2015 bis 18.4.2016) von Anselm Kiefer seit 30 Jahren zelebriert. Das aus Gemälden und Skulpturen bestehende Werk, das einen Bogen vom Ende der 1960er Jahre bis zur Gegenwart schlägt, wird von dem Kurator Jean-Michel Bouhours so präsentiert, als bilde sie einen Teil des Wesens deutscher Nachkriegskunst ab. In der Tat war Kiefer der Erste seiner Generation, der die Nazivergangenheit scharf in den Blick nahm. Fast 500 Werke sind nun zu sehen, darunter 60 Gemälde, begehbare Installationen, unzählige Vitrinen, Zeichnungen und einige Bleibücher des Künstlers. Auf so vieles wird da angespielt, dass sehr schnell evident wird, dass diese Malerei mehr und mehr zu einer konzeptuellen geworden ist. Auf Wagner wird da ebenso verwiesen wie auf Celan und Ingeborg Bachmann. Der Holocaust wird in Erinnerung gerufen und die Lehren der Mystik und der Kabbala evoziert. Kiefer gelingt dies u.a., indem er die Sprache, besser die Wörter zu Hilfe ruft und sich darauf verlässt, dass diese eine Assoziationsfelderweiterung forcieren, die, das Unsagbare stärkend, das Sagbare in seine Schranken verweist. Mit Anselm Kiefer traf sich Heinz-Norbert Jocks zu einem Gespräch.

Heinz-Norbert Jocks: Herr Kiefer, was verschlug Sie nach Paris?

Anselm Kiefer: Ich lebe in dieser Stadt aus rein persönlichen Gründen. Ich muss gestehen, in meinem Leben stets den Spuren von Frauen gefolgt zu sein. In den Odenwald zog ich, weil…



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