Titel: California Dreaming I · von Oliver Zybok · S. 118
Titel: California Dreaming I , 2016

Pae White

In alle Richtungen und auf jeder Achse des Möglichen

Ein Gespräch von Oliver Zybok

Der Begriff des „pli“ (die Falte) der in Jacques Derridas Texten zur Dekonstruktion auftaucht, bezeichnet den Zwischenraum des Verbindenden oder Trennenden. „Pli“ erweitert Flächen zum Raum und verknüpft heterogene Materialien oder Zonen. Die Auffächerungspotenz des „pli“ versteckt sich laut Derrida zum Beispiel in Begriffen wie Komplikation, Multiplikation, Explikation, Implikation oder Applikation. Der Begriff des „pli“ scheint eine Umschreibungsmöglichkeit für die künstlerische Auffassung der amerikanischen Künstlerin Pae White zu sein. Sie bewegt sich zwischen den Medien, verknüpft die Bereiche Grafik, Design und bildende Kunst. Dabei versucht die Künstlerin stets, auch scheinbar widersprüchliche Gegebenheiten in Einklang zu bringen, sei es in ihren objekthaften Skulpturen, typografisch bestimmten Prints, Mobiles oder Kataloggestaltungen. White versucht dabei, die unterschiedlichen Erwartungshaltungen, die ihrem Werk entgegengebracht werden, auszuloten.

Oliver Zybok: Joseph Beuys hat einmal sinngemäß gesagt, dass der Begriff der Kunst im Wesen immer eine Erweiterung darstelle: eine Erweiterung des Horizonts, eine Erweiterung der Möglichkeiten etc. Er ging sogar soweit zu behaupten, dass Kunst eine Erweiterung all dessen sei, was vorher war. Was bedeutet für Dich der erweiterte Kunstbegriff?

Pae White: Diese kunstübergreifenden Ideen von Beuys sind unglaublich optimistisch, aber vom Ansatz her vollkommen richtig. Ich denke jedoch, dass sie sich praktisch nicht anwenden lassen, wenn der Betrachter keine grundsätzliche Offenheit besitzt. Meine Erfahrung zeigt, wenn ein Kunstwerk eine Erweiterung in der Wahrnehmung verursacht, werden die damit verbundenen Gedanken oft rasch wieder verworfen, und die Arbeit wird auf ein Minimum ihrer Aussagekraft reduziert. Doch stellt sich ein…

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