Ausstellungen: Kassel · von Dirk Schwarze · S. 259
Ausstellungen: Kassel , 2016

Dirk Schwarze

Judith Hopf – More

»Vom Entstehen und Verschwinden der Formen«

Neue Galerie, Kassel, 16.10.2015 – 28.2.2016

Eine Zeit lang schien es so, als würden die unterschiedlichen Erwartungen an ihr Selbstverständnis die Neue Galerie in Kassel spalten. Die einen verstanden das Museum als eine Sammlung der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts mit dem Schwerpunkt Malerei und die anderen als ein Haus der zeitgenössischen Kunst, geprägt durch die Erwerbungen aus der documenta. Beide Abteilungen entwickelten sich unabhängig voneinander, so dass ein Dauerkonflikt drohte. Unter der Leitung von Dorothee Gerkens allerdings zeichnet sich ein Brückenschlag ab. Die jüngsten Neuerwerbungen orientierten sich an den documenta-Beständen, und zum wiederholten Male wurde jetzt eine Sonderausstellung mit einem starken documenta-Bezug arrangiert.

In diesem Fall bildeten drei Masken der in Berlin lebenden und in Frankfurt lehrenden Künstlerin Judith Hopf (Jahrgang 1969) das Fundament. Die im 3D-Druckverfahren hergestellten Masken waren im Herzstück der dOCUMENTA (13) zu sehen, im Brain im Museum Fridericianum, und wurden 2012 für die Neue Galerie angekauft. Die unscheinbaren Masken nahmen im Geflecht der vorigen documenta eine Schlüsselstellung ein, denn sie stellten eine Beziehung zu dem ehemaligen Kloster Breitenau her, dessen wechselvolle Geschichte Carolyn Christov-Bakargiev als Kulisse für ihre gesamte Ausstellung empfand.

Judith Hopf, die in Breitenau einen Bambuswald aus Glasskulpturen installiert hatte, war bei ihren Recherchen darauf gestoßen, dass in dem Mädchenheim, das zeitweise in Breitenau eingerichtet worden war, archaische Masken aus Pappmaché hergestellt worden waren. Diese Entdeckung brachte sie dazu, ihrerseits Masken aus Verpackungen für digitale Geräte zu fertigen. Auch ihre Masken waren in gewisser Weise archaisch,…

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