Ausstellungen: Bregenz , 2010

Hans-Dieter Fronz

Antony Gormley

»Horizon Field«

Kunsthaus Bregenz, 31.7. – April 2011

Das Kunstwerk ist ziemlich groß. Im Vergleich dazu mutet ein anderes, fast zeitgleich in die Welt getretenes Werk in seinen räumlichen Dimensionen geradezu bescheiden an – auch wenn ihm vermutlich nicht zuletzt dank seiner immer noch beträchtlichen Ausdehnung und einer prominenten Platzierung im öffentlichen Raum ausgezeichnete mediale Beachtung zuteilwurde. In militärisch strenger Aufstellung hält Ottmar Hörls Phalanx von 800 kniehohen Luther-Figuren aus Kunststoff fast den gesamten Marktplatz in Wittenberg besetzt. Der Heerschar theologischer Plastik-Zwerge ist Antony Gormlys Landschaftsinstallation „Horizon Field“ zwar rein zahlenmäßig klar unterlegen. Dafür sind die einhundert lebensgroßen Figuren des Briten aus massivem Gusseisen; jede einzelne bringt 640 Kilogramm auf die Waage. Und so wiegt die Hundertschaft Hörls Luther-Klone nicht nur mühelos auf, sie besetzt auch ein ungleich größeres Areal. Verteilt ist sie über ein Gebiet von 150 Quadratkilometer im österreichischen Vorarlberg, nicht weit von Bregenz.

Die räumlich größte Landschaftsinstallation, die jemals in – vorsichtig formuliert – der Alpenrepublik realisiert wurde, ist ein Projekt des Kunsthaus Bregenz, das sich mit Veranstaltungen dieser Art und Dimension bereits profiliert hat. Schon mehrfach machte es Vorarlberg zum Schauplatz aufwendiger und raumgreifender Außenprojekte – erinnert sei nur an Landschaftsinstallationen von Anish Kapoor oder Jenny Holzer, die 2004 an verschiedenen Stätten der alpinen Hochgebirgslandschaft großformatig bewegte Schriftzüge auf Gebäude wie die alte Pfarrkirche in Lech und Naturmonumente wie das Bergmassiv Kanisfluh projizierte. Auch Gormly scheint kein Freund beengter Verhältnisse zu sein. In „Another Place“ ließ er Ende der Neunzigerjahre einhundert lebensgroße Figuren aus Gusseisen über ein…

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von Hans-Dieter Fronz

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