Titel: Inszenierte Fotografie II · S. 138
Titel: Inszenierte Fotografie II , 1986

Astrid Klein

Das Format ist wichtig für die Bild-Aussage. Je größer Astrid Klein die Motive ihrer fotografischen Arbeiten aufbläst, desto fotografischer wirken sie auf der einen Seite, während sie auf der anderen das einbüßen, was landläufige Fotografie auszeichnet: den klar definierten Objekt- bzw. Realitätsbezug. Die fotografische Materie triumphiert über die Gegenständlichkeit der Darstellung. Wie ein undurchdringlicher Schleier verwehrt die Fotografie die klare Sicht auf die Dinge der Realität. Die Motive in Astrid Kleins fotografischen Arbeiten sind demgemäß auch rein fotografische Motive, obwohl sie natürlich ihren ursprünglichen Ort in der Wirklichkeit haben. Übrig bleibt allerdings nur ein Widerschein der empirischen Wirklichkeit, ein simpler Reflex, unheimlich und entsetzlich wie die Schatten, welche die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki von Menschen hinterlassen haben. Schatten? Nein – im Gegenteil; Lichtflecke, so brennend und geisterhaft, wie sie uns Älteren noch von den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs in Erinnerung haften geblieben sind. Schatten werden zu Licht, Licht wird zu Schatten, und eine Welt entsteht, die sich nur noch als gespensterhaftes Szenarium darbietet. Die Bildwerke überwältigen uns Betrachter, sie sollen es auch. Bilder, die uns fesseln, die eine unbestimmte Gewalt auf uns ausüben, die zumindest faszinieren. Eine Welt überdies ohne feste Konturen, so, als ob alles noch im Stadium des Entstehens wäre – oder schon des Vergehens? Virtuos handhabt Astrid Klein das gesamte Spektrum fotografischer Möglichkeiten. Nicht nebeneinander, sondern gleichsam ‚ineinander‘. Das Ergebnis sind Bilder traumatischer Qualitäten, auch die, deren ‚Konstruktion‘ offensichtlich ist. ‚Wenn Astrid Klein ins Negativ hineinarbeitet, wenn sie Photographien um- und zusammenkopiert, rastert, montiert, auf…

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