Titel: Inszenierte Fotografie II , 1986

Klaus Mettig

Flüchtige Bildeindrücke fixiert Klaus Mettig, er sondert aus der Flut der Bilder, die sich Tag für Tag über uns ergießen, transportiert vom Fernsehen und den Illustrierten, der Werbung und den Tageszeitungen, bestimmte aus und koppelt sie mit anderen aus dem gleichen Reservoir. Dabei verwischt er ihre Herkunft nicht. Es sind Reproduktionen von massenweise verbreiteten Bildern, die ihrerseits einen Ausschnitt der Wirklichkeit reproduzieren. Den dynamischen Charakter, der ihnen eigen ist, erhält Mettig, indem er gleichsam eine scheinbar transitorische Bildform wählt. Mit Fotografien im landläufigen Sinne haben seine Fotoarbeiten dementsprechend auch nur die Technik gemein. Mettig legt es darauf an, die verborgene Struktur der so wirkungsvollen Massenbilder freizulegen, deren verführerische Botschaft in unser Hirn träufelt wie eine bewußtseinsverändernde Droge. Der Künstler kombiniert stets zwei oder mehrere fotografische Bilder, teils in Farbe, teils in Schwarz-Weiß, und schlägt aus den mal konträren, mal seriellen Kombinationen Einsichten in Zusammenhänge, die der unablässige Fluß dieser Bilder qua Intention verhindert. Andererseits gehören Aufwand und Umfang der meisten Fotoarbeiten von Klaus Mettig zum unverzichtbaren Bestand seiner künstlerischen Strategien, denn auf diese Weise wird schon auf den ersten Blick klar, wie schwer es uns fallen muß, diesen ‚Bilderwüsten‘ zu entrinnen. Klaus Mettig entwirft eine bedrohliche Welt, bedrohlich, weil sie total erscheint, ohne den Anspruch eigens zu erheben, eine Welt, aus der nur der Weg des vernunftbestimmten Handelns hinausweist.

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