Titel: Inszenierte Fotografie II , 1986

Boyd Webb

In ihrer einäugigen Anthologie ‚Die neue Farbfotografie‘ (New York, 1981) rubriziert die Kuratorin Sally Eauclaire das fotografisch-künstlerische Werk von Boyd Webb unter der Kapitelüberschrift ‚Serienmäßig hergestellte (fabricated) Fiktion‘. Wie viele Künstlerinnen und Künstler kam Webb über die Bildhauerei mit der Fotografie in Kontakt. Die Fotos seiner Skulpturen interessierten ihn schließlich mehr als diese selbst. Erschienen ihm die fotografischen Bilder kunstvoller, künstlicher? Der Einfluß seiner Ausbildung blieb freilich prägend. Hinzu traten entscheidendere Einflüsse: die viktorianische Malerei, die paradoxe Kunst Duchamps und die ‚pataphysische‘ Jarrys. Webb legt es von vornherein gar nicht darauf an, eine Welt abzubilden, die auch nur entfernte Ähnlichkeit mit unserer Erfahrungswirklichkeit besitzt. Den besten Zugang zu seinem künstlerischen Universum liefert ein Vergleich mit der viktorianischen Malerei, wie ihn Sally Eauclaire anstellt: Seine ‚künstlerische Arbeit leugnet die rationale viktorianische Vorstellung einer Welt, in der alles erklärt werden kann‘. Was in Webbs großformatigen Farbaufnahmen passiert, entzieht sich jeder plausiblen Erklärung. Wir können einfach nicht glauben, was sich vor unseren Augen deutlich sichtbar abspielt. Das Geschehen ist zutiefst mysteriös, es steckt voller Widersprüche, voller Absurditäten. Etwa wenn ein junger Mensch mit dem Erdball zu kämpfen scheint. Selbstredend unterliegt er – buchstäblich. Mitunter gerät die Inszenierung seiner merkwürdigen Einfälle so dicht, daß sie die Qualität von Metaphern erhalten, ohne dabei an Witz und Schärfe zu verlieren. In mancherlei Hinsicht stülpt Boyd Webb unsere Erfahrungswirklichkeit auf den Kopf. Damit verschafft er den Betrachtern seiner Bilder die Möglichkeit, die offenen und verborgenen Widersprüche seines Daseins zu erkennen. Um so wichtiger ist dies, als…

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