Titel: Inszenierte Fotografie II · S. 108
Titel: Inszenierte Fotografie II , 1986

John Hilliard

John Hilliard war ursprünglich Bildhauer. Womöglich ist das der Grund, weshalb sich der Künstler schon früh für die materiellen Eigenschaften des Mediums Fotografie interessiert hat. Seit den späten 60er Jahren nutzt er die Fotografie, um seine Vorstellungen zu verwirklichen. Im Gegensatz zu den meisten Künstlern der Conceptual Art ist er jedoch niemals naiv mit dem Medium umgegangen. Ein gewisses analytisches Moment war beständiger Bestandteil seiner künstlerischen Praxis. Auch wenn seine häufig außergewöhnlich großen Aufnahmen alle Kräfte der Verführung ausspielen, läßt der Künstler keinen Zweifel daran aufkommen, daß die Betrachter einer fotografierten Wirklichkeit konfrontiert sind. Einerseits betont Hilliard das fotografische Element durch bewußte Verletzungen der eingebürgerten fotografischen Tugenden, indem er seine Bilder mit vermeintlichen fotografischen Unzulänglichkeiten anreichert, andererseits treibt er sie zu Formaten auf, daß sie wie Gemälde wirken. Obendrein wählt er als Motive seiner Arbeiten Gegenstände der Second-Hand-Wirklichkeit; er nutzt Bilder der bereits vorgeformten Bildwelten der Kunst und der Massenmedien gleichermaßen. John Hilliard verstärkte die künstlichen Tendenzen seiner fotografischen Arbeiten in jüngster Zeit, indem er sie auf nicht-fotografische ‚Bildträger‘ projizierte, auf vorbehandelte Stoffe zum Beispiel. Damit kappte er jeden vordergründigen Wirklichkeitsbezug. Im Gegenzug erkämpfte er sich eine außergewöhnliche künstlerische Freiheit, offen nicht zuletzt auch gegenüber dem sonst so verpönten Narrativen in der Kunst. John Hilliard schlägt mit seinen Fotografien eine Brücke zum Film. ‚Was mich interessiert‘, sagte er einmal, ‚ist, eine doppelte Konstruktion zu erreichen: die von dem ursprünglichen Objekt oder Ereignis, dessen reflektiertes Licht auf die Linse der Kamera trifft sowie die der Fotografie, die diese Konstruktion wiedergibt,…

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