Titel: Inszenierte Fotografie II , 1986

Helmut Schweizer

Von analytischen Untersuchungen der fotografischen Sprache in nahezu allen Möglichkeiten ihrer Verwendung ging Helmut Schweizer vor einigen Jahren dazu über, seinerseits die Bildsprache der Fotografie kreativ weiterzuentwickeln. Den äußeren Anstoß mögen Künstler wie Sigmar Polke gegeben haben, doch von Anfang an schlug Schweizer andere Wege ein. Sein Umgang mit dem Medium enthält keine spielerischen Elemente, sieht man einmal davon ab, daß jede schöpferische Tätigkeit eine spielerische »Struktur« aufweist. Denn auch seine »freien« fotografischen Arbeiten zeichnen sich durch jenes hohe sozialkritische Engagement aus, das schon für die sprachkritischen Untersuchungen maßgebend gewesen ist. Mit anderen Worten: Die empirisch erfahrbare Wirklichkeit ist und bleibt das eigentliche Problemfeld des Fotokünstlers Helmut Schweizer. Während er früher sein Augenmerk auf die stets vermittelte Art der Wahrnehmung von Realität richtete, ist er jetzt bestrebt, die Wahrnehmung – statt sie nur künstlerisch zu reflektieren – mit künstlerischen Mitteln zu bestimmen. Zu manipulieren wäre treffender, wenn diese Apostrophierung nicht unerwünschte Nebenbedeutungen hätte. Ein typisches Beispiel liefert die Werkgruppe »Der Wald«. Schweizers großformatige Fotobilder transportieren alles zugleich: Bestandsaufnahme, Schrecken, Visionen, die Apokalypse. Das Sterben der Wälder ist nur Auftakt für das Streben schlechthin. Fotografie und Malerei gehen in diesen Arbeiten eine Einheit ein, die sich nicht auf der formal-ästhetischen Ebene auflöst. Die souverän gehandhabten Mittel stehen hier ganz klar im Dienste einer dezidierten Aussage.

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