Titel: publish - II. Publizieren als Ausstellungspraxis · von Gudrun Ratzinger · S. 94
Titel: publish - II. Publizieren als Ausstellungspraxis ,
Titel: publish - II. Publizieren als Ausstellungspraxis

Auf der Seite wie im Raum

PUBLIZIEREN UND AUSSTELLEN ALS PRAKTIKEN DER KUNSTPRODUKTION

von Gudrun Ratzinger

„Das Bild wird eine der wirksamsten Waffen werden gegen den Intellektualismus, gegen die Mechanisierung des Geistes,“ so Johannes Molzahn, der vor neunzig Jahren aufgrund der neuen technischen Möglichkeiten überzeugt war, dass mediale Kommunikation in absehbarer Zukunft bildbasiert sein würde: „‚Nicht mehr lesen! Sehen!‘ wird das Motto der Erziehungsfragen sein. ,Nicht mehr lesen! Sehen!‘ wird der Leitgedanke der Entwicklung der Tageszeitungen sein.“1 Heute ist das gedruckte Wort nach wie vor präsent. Innerhalb der Gegenwartskunst boomt das Publizieren geradezu. Kunstschaffende gestalten das Verhältnis zwischen Kunst und Buch, Ausstellung und Publikation oder Werk und Text höchst unterschiedlich. Meist ist das Publizierte zum Ausgestellten jedoch sekundär. Im Folgenden werden künstlerische Positionen vorgestellt, die Publizieren und Ausstellen gleichwertig einsetzen.

Walid Raad etwa macht Elemente des Projekts The Atlas Group unterschiedlich zugänglich: „Die meisten Konzepte, Erfahrungen und Experimente, die meinen Kunstwerken zugrunde liegen, scheinen mir recht elastisch zu sein, in dem Sinn als sie nicht unbedingt an ein bestimmtes Medium und an bestimmte Formen, Linien, Farben und Zustände gebunden sind. Notebook volume 72: Missing Lebanese wars existiert als digitales Dokument in der Multi-media-Lecture/Performance The Loudest Muttering is Over, als gerahmte Prints in Ausstellungen als Teil der The Fakhouri Files und als Abbildungen in Zeitschriften und Büchern […]. In solchen Fällen bin ich dem Bild, das am Computerbildschirm auftaucht oder das projiziert wird genauso verpflichtet, wie dem, das ich drucke und rahme, als auch jenem, das ich auf einer Seite platziere, damit es in einem…

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