Titel: publish - III. Publizieren als Kommunikationsakt · von Marlene Obermayer · S. 120
Titel: publish - III. Publizieren als Kommunikationsakt ,
Titel: publish - III. Publizieren als Kommunikationsakt

Momente der Distribution

VERLEGEN, PRÄSENTIEREN UND ARCHIVIEREN ALS KÜNSTLERISCHE PRAXIS

von Marlene Obermayer

Nicht nur wachsende öffentliche Archive und Buchhandlungen, die sich Künstlerpublikationen widmen, sondern auch die Vielzahl an Kunstbuchmessen zeigt, dass das Thema einen Aufschwung erlebt. Doch ist diese Entwicklung als Retro-Trend zu sehen oder sind diese Orte der Distribution essentiell für Künstlerpublikationen, die einen alternativen Raum bieten?

In zahlreichen Aufsätzen und Vorträgen betont Clive Phillpot, ehemaliger Direktor der MoMA Library, dass Ed Ruschas Twentysix Gasoline Stations (1963) richtungsweisend für das Künstlerbuch war.1 Eine bemerkenswerte Zäsur stellte dabei die Wahl der Distributionsform dar. Ruschas Massenprodukt von mehreren Hundert Exemplaren stand dabei als demokratisches Kunstwerk dem aufwendig gemachten Livre d’artiste gegenüber.

Publikationen in hoher Auflage stellten auch einige Jahre später für den Galeristen Seth Siegelaub ein ideales Format dar, da sie kostengünstig und leicht transportierbar waren. 1966 gab der erst 25-jährige Siegelaub seine Galerie in New York City auf.2 Mit der Begründung: „You don’t need walls to show ideas”3 begriff er den Katalog als Medium zur Kommunikation konzeptueller Kunst und zugleich als ihr neutralstes Präsentationsmittel. Er unterschied zwischen der „primary information“ – der unmittelbaren und nicht reduzierbaren Materialisierung der Idee einer Arbeit – und der „secondary information“, in der Kunst nur verfälscht, etwa in fotografischen Reproduktionen, wiedergegeben werden kann.4 Siegelaub setzte seine Idee, eine Schau in Buchform zu machen, erstmals bei Douglas Hueblers Ausstellung „November 1968“ um. Diese informelle Präsentation bezog sich auch auf Hueblers Absicht, die Gegenwart des Künstlers aus der Mitte seines Werkes zu entfernen, denn weder Künstler noch Publikum sind bei der…

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