Ausstellungen: Hamburg ,

ENTFESSELTE NATUR

Das Bild der Katastrophe seit 1600

Hamburger Kunsthalle 29.06. – 14.10.2018

von Rainer Unruh

Am Anfang war die Sintflut. Der erste Aufstand der Welt gegen den Menschen, an dem Künstler ihre Möglichkeiten der Darstellung von Zerstörung erprobten, war kein reales Ereignis, sondern ein mythologisches. Holzschnitte und Kupferstiche aus dem 16. Jahrhundert eröffnen die Ausstellung „Entfesselte Natur“ in der Hamburger Kunsthalle. Man muss sich als Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts, dem die Nachricht von jeder Überschwemmung und jeder Feuersbrunst blitzschnell als Breaking News aufs Smartphone gesendet wird, erst einmal daran gewöhnen, wie lange es in der Kunstgeschichte gedauert hat, damit eine Naturkatastrophe als bildwürdig erachtet wurde. Erst im 17. Jahrhundert kommt der Anspruch auf, im Bild festzuhalten, was geschehen ist. Jan Asselijn malt den Bruch des St. Anthonisdeichs nahe Amsterdam 1651 mit einem düstereren Himmel, darunter Menschen, die fassungslos das Geschehen verfolgen. Gleich daneben haben die Kuratoren Markus Bertsch und Jörg Trempler 30 kleinformatige Bilder aus der Serie World Stress Painting von Olphaert den Otter gehängt, die zwischen 2009 und 2016 entstanden. Eine von vielen klugen Entscheidungen, denn der Bruch mit der Chronologie führt schlagartig vor Augen, wie sehr sich heute der Fokus der Schilderung von Katastrophen verschoben hat. Das Ordnungsprinzip der Serie sind die von den vier antiken Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft angerichteten Verheerungen, der Mensch ist aus dem Bild verschwunden.

Wir leben zwar im Anthropozän, einer Zeit, in welcher die Menschheit die Natur in globalem Maßstab verändert und durch die Klimaveränderung mitverantwortlich für Wirbelstürme und Tsunamis ist, aber das Individuum scheint…

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