Titel: publish - IV. Publizieren als Schnittstellenfunktion · von Hannes Bajohr · S. 166
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Titel: publish - IV. Publizieren als Schnittstellenfunktion

J. Gordon Faylor

DATEITYPEN ALS PUBLIKATIONSTAKTIK

Ein Gespräch von Hannes Bajohr

Für jenen Teil der amerikanischen Literaturszene, der sich als „postkonzeptuell“ versteht, gehört der Verlag Gauss PDF zu einer seiner wichtigsten Verbreitungsorgane. Mit einem Geschmack an postdigitaler Ästhetik und Willen zum Experiment will sein Gründer und Betreiber, der Lyriker J. Gordon Faylor, Genregrenzen einreißen. Ein Mittel dazu ist die Konzentration auf Dateiformate: Videos oder ZIP-Dateien können ebenso literarische Werke sein wie die PDFs, die zum Download bereit stehen, oder die in der Reihe GPDF Editions erscheinenden Bücher, die über die Print-on-Demand-Plattform Lulu hergestellt werden. Im Interview spricht Faylor über Gauss PDF als anarchischem Projekt, dem er als Gegenwartspraxis auch ein Ablaufdatum eingeschrieben sieht, über die Politik des DIY und die Grenze verschwimmende zwischen Verlagswesen und künstlerischem Kuratieren.

Hannes Bajohr: Was ist Gauss PDF und wie ist es entstanden?

J. Gordon Faylor: Gauss PDF ist, einfach gesagt, ein Verlag für digitale Arbeiten, der alle möglichen Dateitypen begrüßt. Alle Publikationen stehen kostenlos zum Download bereit. Die einzigen Parameter für das Einreichen von Werken sind, dass sie abgeschlossen sind und exklusiv bei uns erscheinen. Diese sehr offenen Vorgaben lassen dann alles zu, von PDFs und JPGs zu ZIP-Dateien oder Videos.

Das Imprint GPDF EDITIONS ist darüber hinaus ein Kanal, über den ich physische Bücher per Print-on-Demand bei Lulu.com verlege. Gegründet habe ich Gauss PDF 2010 aus demselben Grund, aus dem viele kleine Verlagsprojekte entstehen, zumindest hier in den USA – weil ich die Werke meiner FreundInnen verfügbar machen wollte, die nirgendwo anders verlegt wurden. Aber…

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