Ausstellungen: Essen ,

ROLAND TOPOR

Panoptikum

Museum Folkwang 29.06. – 30.09.2018

von Claudia Posca

Das ist mal eine selten schräge, markig schwarzhumorige Ausstellung auf dem Parkett figürlichgegenständlicher Kunst: Roland Topor – Panoptikum. Als der französische Illustrator 1997 starb, war er 59 Jahre alt, hochgeschätzt als Zeichner, Cartoonist, Filmemacher, Autor, Kostüm- und Bühnenbildner, eine Ikone in Insiderkreisen. Berühmt: seine genial spitze Feder in Wort und Bild. Bis an Schmerzgrenzen heran pulverisierte sie, was sich Alltag und normal nennt, wusste rabenschwarze, unglaublichste Geschichten aus Absurdistan und tief psychologischen Abgründen zu erzählen. Über Ängste, Obsessionen, Leidenschaften, übers unbehauste Leben. Schwarz auf weiß, drastisch und bunt hat Roland Topor ein menschlich-animalisches Pandämonium erfunden, das unter die Haut geht. Dabei setzte der in der Bildkunst eines Hieronymus Bosch, aber auch eines Francisco de Goya bis hin zu Otto Dix und Max Ernst gnadenlos bewandert Erscheinende dem entlarvend Satirischen oft noch eine Spitze drauf, – herrlich böse, kühn abgefahren, deftig manchmal, finster fabulös immer. Vermutlich hätte Roland Topor über sich gespottet, dass 59 Jahre wirklich kein Alter sind, von der Bühne zu treten. Für gewöhnlich jedenfalls nicht. Aber gewöhnlich war im Leben des faustisch beobachtenden Mannes mit dem außergewöhnlichen Lachen, das ihm im Werner Herzog-Film Nosferatu, Phantom der Nacht eine Rolle eingebracht hatte, sowieso nichts. Als Sohn polnisch-jüdischer Emigranten, von den Eltern während des Krieges und der deutschen Besetzung Frankreichs bei Pflegeeltern versteckt, hatte man ihn Vorsicht und Misstrauen gelehrt. Folglich vertraute Topor dem Motiv des ewigen „Auswanderers“, ein roter Faden in Leben und Werk.

Überhaupt: Furchterregende Szenarien unterschiedlichster Coleur trieben den Getriebenen um….

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