vorheriger
Artikel
nächster
Artikel
Ausstellungen: Köln · von Sabine Elsa Müller · S. 384 - 384
Ausstellungen: Köln , 1998

Sabine Müller
Bernd Ikemann

„Firmament“
Diözesanmuseum Köln, 10.4. – 20.5.1998

Totenbilder und Fernsehbilder. Die Malerei von Bernd Ikemann konstituiert sich in der Beschränkung auf diese beiden Sujets. Die Verbindung von Pathos und Trivialität als Wesenszug heutiger Malerei macht sich am inhaltlichen Programm fest. Die Unwirklichkeit des Todes wird zum Prüfstein in der Frage nach dem Wirklichkeitsgehalt der Malerei. Die Relativierung der emotionalen Beziehungen zu aufgebahrten Toten, Fußballfernsehübertragungen und Sternenfirmament vollzieht sich in der malerischen Handlung.

Das sorgfältig inszenierte Arrangement der zum Hausaltar stilisierten Fernsehecke schöpft aus demselben angestaubten Repertoire wie die kirchliche Bestattungsszene. Ikemanns Vorstellungswelt speist sich aus erinnerten Bildern. Die Perspektive ist der einer kindlichen Untersicht ähnlich, sie stellt eine Distanz her, die Bedrohung und Faszination zugleich ausdrückt. Piktogrammhaft verkürzte Staffagen verordneter Andacht rücken dicht zusammen und verstellen den Bildraum. Stürzende Linien bemessen große leere Flächen, deren Expansionsdrang durch ornamentale Elemente aufgefangen wird. Die kontrastreiche Hell-Dunkel-Dramaturgie verstärkt einen szenischen Effekt, der sich in dem großen Triptychon von 1998 (Höhe 210 cm, Breite 160 bzw. 80 cm) als eine Art filmische Bewegungsabfolge von links nach rechts fortsetzt. Wie ausschnitthafte Erinnerungsfetzen scheinen die Bilder aus dem Dunkel des (kollektiven) Gedächtnisses aufzutauchen.

Die eigentliche Herausforderung der Thematik liegt in der malerischen Umsetzung. In der Reproduktion läßt sich zwar die rhythmische Zergliederung der Fläche nachvollziehen, nicht aber deren malerische Behandlung. Beides kann als unmittelbare Reflexion der Erinnerungsleistung charakterisiert werden. Wie sich dort scheinbar Nebensächliches zum Kulminationspunkt manifestiert, so wird hier dem persönlichen Stellenwert des Gegenstandes zu entsprechen versucht durch Übermalungen, Korrekturen der Form, Verschiebungen des Farbwertes. Die…



Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

von Sabine Elsa Müller

Weitere Artikel dieses/r Autors*in