Ausstellungen: Köln · von Stefan Römer · S. 414
Ausstellungen: Köln , 1998

Stefan Römer

Christian Philipp Müller

„Imagetransfer“

Galerie Christian Nagel, Köln, 4.9. – 5.10.1998

Der Titel von Christian Philipp Müllers Ausstellung, „Imagetransfer“ adressiert eine der entscheidenden kulturellen Entwicklungen der beiden letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Niemals zuvor existierte eine dermaßen systematische gegenseitige Durchdringung von künstlerischen und wirtschaftlichen Interessen. Die großen Wirtschaftsunternehmen scheinen auf dem besten Wege, die Förderung der Kultur der öffentlichen Hand zu übernehmen. Das Interesse der Städte, großen Wirtschaftsunternehmen gute Standortbedingungen zu bieten, wird mit der Übereignung des kulturellen Felds bezahlt. Hier scheinen sich Werbeträger für eine auf Dauer ausgelegte Imagepolitik zu bieten, wie sie sonst nirgends zu finden sind: Man erhofft sich, daß das gute Image kultureller Projekte einen positiven Glanz auf die Corporate Identity des jeweiligen Unternehmens ausstrahlt – der Imagetransfer somit erfolgreich ist. Die negativen Folgen für das künstlerische Feld – wie vereinheitlichte ästhetische Strategien oder die fehlgeleitete Argumentation der Institutionen mit reinen Besucherzahlen – bleiben dabei meist völlig unberücksichtigt.

Christian Philipp Müller nähert sich dieser Problematik nun unerwartet zeichnerisch. Zwei in Blöcken an der Wand präsentierte Zeichnungsserien reduzieren in Magazinen erschienene Anzeigenserien der Kölner Industrie und Handelskammer wörtlich auf Blaupausen: Mittels Durchschlagpapier wurden – unter Verzicht auf alles Feinmodulierte – Klischees der Anzeigenseiten gezeichnet. Sowohl die Serie „Köln macht Mut“ im Spiegel (1994) als auch „Cologne Plus, International Commitment“ (Broschüre) erscheint als eine rein grafische Formation blauer Linien; Bild- und Textelemente werden dort gleich behandelt. Ihre Variablen stellen die mit einem Statement versehenen VIPs aus der Wirtschaft, ihre Produkte sowie ihre Logos dar, konstant bleiben dagegen Anordnung und Perspektive. Die…

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