Ausstellungen: Frankfurt a.M./München/Wien · von Martin Blättner · S. 358
Ausstellungen: Frankfurt a.M./München/Wien , 1992

Martin Blättner

Claes Oldenburg

Multiples 1964-1990

Portikus, Frankfurt, 22.2. – 31.3.1992

Lenbachhaus, München, 8.4. – 10.5.1992

Hochschule für angewandte Kunst, Wien, 6.10. – 21.11.1992

Gewollt oder ungewollt entlarven Schimmelkulturen auf popfarbenen Gelatine-Masken den stets ambivalenten Charakter der Multiples-Objekte von Claes Oldenburg, denn nicht nur dieser als Götterspeise oder Opfergabe so zwiespältig präsentierte Wackelpudding verspricht ein zweifelhaftes Vergnügen, das in frappierende Unannehmlichkeiten umschlagen kann. Dem Illusionsblendwerk widerspricht die Entzauberung einer „politisch-erotisch-mystischen“ Kunst; aus der von Dubuffet beeinflußten Art-brut-Ästhetik des Trivialen entwickelte sich andererseits so etwas wie eine soziale Utopie des (ursprünglich) billigen Warenwertes, Der naiv-clevere „Kunstunternehmer“ Oldenburg verstand es, Geschäftssinn und Avantgarde-Idee auf einen Nenner zu bringen, indem er Kunst wie kommerzielle Lebens-Mittel behandelte. Der möglichst rationellen Produktion inmitten der Überflußgesellschaft entsprach die kleine Skulptur, die sich mit den alltäglichen Dingen auseinandersetzt und im vervielfältigten Serienabguß oder als Mehrfachprägung in relativ großen Stückzahlen vertrieben wird – das Multiple. Die populistische Idee einer Grenzverwischung von Kunst und Kommerz hatte ihren Ursprung bei Oldenburgs erstem Kunstbetrieb“: dem Laden (The Store), der 1961 in New York eingerichtet wurde, um jedermann satirisch-fröhlich „Massenware“ zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Waren die kurios aus dem Müll veredelten Gipsplastiken damals noch von Hand gemacht, so handelt es sich bei den Multiples meist um von versierten Handwerkern und Firmen ausgeführten Arbeiten, die in Auftrag gegeben wurden. Der Fetisch-Charakter hatte sich bei diesen Objekten – die zeichenhaft Projektionen einer verfremdeten Konsumwelt konkretisieren – sozusagen verselbständigt. Fast unerträglich direkt konfrontieren „London Knees 1966“ mit etwas sexistischen Körperstücken aus der Minirock-Ära – im Koffer werden sie wie makabere Beutestücke…

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