Ausstellungen: Mannheim/Lingen , 1992

Sigrid Feeser

Wolfgang Koethe

»Der Mannheimer Schachkongreß und neue Bilder«

Mannheimer Kunstverein, 23.2. – 29.3.1992

Kunstverein Lingen, 11.4. – 10.5.1992

Zuerst waren es die Fußballer, dann kamen die Astronauten und die Billardspieler. Und nun sind die Schachspieler und die Tänzer an der Reihe. Wolfgang Koethe malt Gruppenbilder und Menschen bei der Arbeit. Beide Themen sind banal, in der Kunst aber alles andere als selbstverständlich.

Wer das bedenkt, müßte von Koethes Arbeiten eigentlich fasziniert sein. Denn er zeigt nur Alltägliches. Der Unterschied ist: Wolfgang Koethe macht keine Fotos, er malt Bilder. Das Raffinierte (und das Gemeine) daran ist, daß er die zugrundegelegten Zeitungsfotos nur benutzt, um daraus rein malerische Ereignisse zu entwickeln: Fotografie als Kompositionsersatz und Malerei als vieldeutigen Kommentar.

Durch den konzeptuellen Kunstgriff wird die Realität des Dargestellten auf ein Minimum an Wiedererkennbarkeit verkürzt. Man „erkennt“ Typen, nicht Individuen, Situationen, die offensichtlich gestellt sind – aber keine konkreten Handlungen. Verknüpft in Szenen, die absurd und ganz sinnlos erscheinen.

Der 1952 in Sachsen geborene, über Düsseldorf, Berlin und London nach München gekommene Maler nennt für den Kongreß, der der Ausstellung den Titel gab, ein reales Vorbild. 1914 fand in Mannheim ein Kongreß des Deutschen Schachbundes statt. Die Veranstaltung wurde vorzeitig abgebrochen, der Erste Weltkrieg begann. Koethe sagt, die Beziehung zu Mannheim sei eine rein zufällige, wenn auch historisch bedeutsame.

Bilder wie „Die kleine Freiheit“, „Gingerman“, „The East Grinstead Debating Society“ oder die „Wormser Winzer“ signalisieren unterschiedliche Ausprägungen des Stereotyps „Gruppenbild“, mit dem Motiv Schachspieler haben sie nichts mehr zu tun.

Koethes Bilder sind intelligent wie ein gutgemachter Comic und langweilig wie…

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von Sigrid Feeser

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