Ausstellungen: Graz · von Hans-Jürgen Hafner · S. 378
Ausstellungen: Graz , 2011

Hans-Jürgen Hafner

Communitas

»Die unrepräsentierbare Gemeinschaft«

Camera Austria, Graz, 9.4. –19.6.2011

In der Tat betrifft diese Gruppenausstellung ein Grundproblem: Wie wäre ausgerechnet „Gemeinschaft“ angemessen darzustellen? Wie kann es Bilder des Gemeinschaftlichen geben, ohne systemische Ausschlüsse zu produzieren? Wie ein ‚wir’ zeigen, wenn es doch automatisch alles ‚andere’ ausblenden muss? Zugleich will diese Schau wissen, wie politisch künstlerische Bilder eigentlich sein, welche inhaltlichen Anliegen sie an und für sich transportieren können. Es ist somit ein ebenso komplexes wie grundsätzliches Problem, dem sich die thematische Gruppenschau Communitas. Die unrepräsentierbare Gemeinschaft (konzipiert von Reinhard Braun und Maren Lübbke-Tidow) im schmucken aber schwierigen Ausstellungsraum der Camera Austria im Kunsthaus Graz verschreibt. Kuratorisch ist die Schau von der Kunst her entsprechend als eine Art Lehrstück in Sachen künstlerisch/medialer Selbstreflexion angelegt. Ganz zu Recht will sie sich ihrer Problematik aus einem zweifachen Blickwinkel stellen.

Geradezu bemerkenswert oft ist dieser Tage nämlich wieder von der Gemeinschaft die Rede. Der Begriff spielt neuerdings im politischen, mehr aber noch im populistischen Sprachgebrauch eine exponierte Rolle, muss er für sozial oder ökonomisch motivierte Diskussionen herhalten. Doch so schwer in jeder Hinsicht Gemeinschaft zu repräsentieren, so kompliziert sie dazustellen ist, mindestens ebenso problematisch ist begrifflich zu definieren, was sie überhaupt sein soll – und in welcher Form sich die Idee des Gemeinschaftlichen denn eigentlich realisieren kann.

Repräsentierbarkeit aber generell zur Grundlage dieser Schau zu machen heißt freilich, sie nach zwei Richtungen hin aufzuschließen. Denn so lenkt sie unsere Aufmerksamkeit vom zeitdiagnostischen Thema unweigerlich auf die künstlerisch konkret eingesetzten Mittel. Nicht künstlerische Bilder des Gemeinschaftlichen müssen wir uns…

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