Titel: Ironie , 2011

Ludwig Seyfarth

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.

Ironie, Fälschung und Moral

Einwände gegen die Ironie

Als ich vor ein paar Jahren verschiedene Künstler für eine geplante Ausstellung zum Thema Ironie anfragte, erhielt ich unter anderem folgende lapidare Antwort: „Ironie finde ich noch schlimmer als Gutmenschen-Dasein. Mit freundlichen Grüßen, Christoph Schlingensief.“ War das ironisch gemeint? Leider können wir Schlingensief das nicht mehr fragen. Wenn er Ironie tatsächlich nicht mochte, hatte er berühmte Vorläufer. Friedrich Nietzsche äußerte, „ihr Zweck ist Demüthigung, Beschämung, aber von jener heilsamen Art, welche gute Vorsätze erwachen läßt und Dem, welcher uns so behandelte, Verehrung, Dankbarkeit als einem Arzte entgegenbringen heißt. […] Die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus verdirbt übrigens den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, außer dem Beissen.“1 Aber ist Ironie nur Ausdruck eines arroganten Überlegenheitsgefühls, einer grundlosen Respektlosigkeit, eines Nihilismus?

Die moralische Abwertung der Ironie wird auch von neueren Denkern geteilt. Gilles Deleuze lehnt sie ab, weil sie auf festen Prinzipien basiere, auf einem hierarchischen Denken, dem er die befreiende Kraft des Humors gegenüberstellt: „Der Ironiker ist einer, der über Prinzipien debattiert; der auf der Suche ist nach einem ersten Prinzip“, aber „das alles sind keine Probleme des Humors; der hat von jeher die Spiele der Prinzipien oder Ursachen zugunsten der Effekte, die Spiele der Repräsentation zugunsten des Ereignisses, die Spiele der Individuation oder der Subjektivierung zugunsten der Vielheiten zerstört. In der Ironie liegt eine unerträgliche Anmaßung, nämlich die, einer…

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von Ludwig Seyfarth

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