Titel: Ironie · von Johannes M. Hedinger · S. 112
Titel: Ironie , 2011

Johannes M. Hedinger

POSTIRONIE.

Geschichte, Theorie und Praxis einer Kunst nach der Ironie

(Eine Betrachtung aus zwei Perspektiven)

„Postirony, the whole new era to come. And if i’m right, everybody wins.“ Alex Shakar, 2001
„Post-Irony means total imaginative and creative freedom.“ COM&COM, 2008

A Postironie aus kunstwissenschaftlicher Perspektive

Die Zeit der Ironie ist abgelaufen. Wir sind müde geworden, ständig mit den Augen zu zwinkern, kunstvoll zu zweifeln und alles mindestens im zweiten Grad zu dekonstruieren. Nachdem die Ironie einen letzten Höhepunkt als spöttisches Schwert der Postmoderne erlebte, steht eine ironische Haltung heute eher dafür, Wahrheiten zu verschleiern, Problemen aus dem Weg zu gehen und jeden Schwachsinn damit zu rechtfertigen, dass es ja nicht ernst gemeint sei. Ironie verkommt mehr und mehr zu einer Art Haftungsausschluss oder Fluchtmanöver angesichts jeder denkbarer Verantwortung. Viele Menschen wollen heute (wieder) ungebrochen, direkt und positiv bejahend durchs Leben gehen, die Dinge sehen, wie sie sind, Nähe und Emotionalität zulassend Wahrheiten suchen und Verantwortung übernehmen. Mit dem distanzierenden Gestus der Ironie ist dies ernsthaft nicht machbar.

Von der Ironie zur Postironie

Bereits in den 90er Jahren kündigten sich verschiedene Ansätze einer möglichen Nach-Ironie an; so zum Beispiel 1993 in David Foster Wallaces Essay E Unibus Pluram, in dem er die postmoderne Literatur mit der US-Fernsehindustrie verglich. Beide hätten sich mittels selbstbezüglicher Ironie der Angreifbarkeit entzogen, denn wer sich über sich selbst lustig macht, könne nicht mehr ins Lächerliche gezogen werden: „Die Ironie tyrannisiert uns. Sie ist ebenso mächtig wie unbefriedigend geworden, weil sie sich stets alle Optionen offen hält.“ Ausgerechnet der postmoderne Vollblutironiker Wallace träumte schon…

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