Titel: Ironie , 2011

Susanne Witzgall

Ironische Strategien und politisches Versprechen.

Zum Verhältnis von Kunst, Ironie und Dissens

Die Frage, ob „politische Kunst“ ironisch sein kann, ist unmittelbar an die Frage geknüpft, ob Kunst überhaupt politisch sein kann. An der Allianz zwischen Kunst und Politik aber wird in letzter Zeit wieder kräftig geschmiedet. Der französische Philosoph Jacques Rancière beispielsweise sieht die ästhetische Erfahrung als „die eines neuen Sensoriums, in dem die Hierarchien, die die sinnliche Erfahrung strukturierten, abgeschafft sind.“1 Das verbindet nach Rancière die ästhetische Erfahrung, bzw. die Kunst als ihr genuines Feld, mit der Politik, deren Tätigkeit nicht darin besteht Ordnung zu erhalten, sondern etablierte gesellschaftliche Ordnungen und Abgrenzungen, die Zuteilung von Plätzen und Rollen zur Disposition zu stellen.2 Auch von kulturhistorischer Seite wurden jüngst die engen Bezüge zwischen den Sphären des Politischen und der Kunst pointiert herausgestellt und in diesem Gespann bereits die Ironie verortet. Sie gehört nach Anna Schober zu den „ästhetischen Taktiken“, die vor allem seit der Französischen Revolution ganz wesentlich zu den Prozessen der „politischen Subjekt-Werdung“3 beigetragen haben und von politischen Bewegungen sowie künstlerischen Avantgarde- und Neoavantgarde-Bewegungen als Mittel definiert wurden, „um ein ‚neues Leben’ zur Durchsetzung bringen und zugleich herkömmliche Sichtweisen aufbrechen und zurückweisen zu können.“4

Die Interpendenzen im Dreigespann Kunst, Politik und Ironie sind jedoch keineswegs auf einen schlichten Nenner zu bringen. Denn wir haben es mit dem Dilemma zu tun, dass es überhaupt keinen Konsens gibt, was unter einer Kunst mit politischem Anspruch oder sogenannter „politischer Kunst“ überhaupt zu verstehen ist. Es herrscht jedoch Einigkeit, dass man heute – auch…

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von Susanne Witzgall

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