Titel: Kunst und Philosophie · S. 364
Titel: Kunst und Philosophie , 1989

Stephan Otto

Das verspielte Darstellbare

„Verspielt“ kann heißen: ins Spiel versenkt; es kann auch heißen: im Spiel vertan. Vom zweiten ist die Rede. Denn Spiel ist Darstellung; aber die kommt nicht von ungefähr, sondern setzt ein Darstellbares voraus. Wo dieses Darstellbare „verspielt“, nämlich vertan ist, werden die Darstellung und das Dargestellte sinnlos: Deren Wirklichkeit entbehrt dann ihres Grundes.

Der Philosophie fällt es schwer, über das Darstellbare, die Darstellung und das Dargestellte zu sprechen. Alle drei haben nämlich mit dem Sehen zu tun. Der Philosoph pflegt zu denken und dabei das Sehen zu verlernen; er muß deshalb zum Künstler in die Schule gehen, der zu sehen vermag. Wir werden Max Beckmann zu Rate ziehen, der dem Philosophen zeigen kann, wie es sich mit der Darstellung, dem Dargestellten und dem Darstellbaren verhält, wie alle drei zusammenspielen im gesehenen Bild. Der Philosoph, der zum Maler geht, kommt aber nicht mit leerem Kopf und leeren Händen: Er kann seinerseits dem Künstler manches mitbringen. Wir machen uns also zunächst auf den Weg, um davon einiges einzusammeln. Dann könnte das Gespräch zwischen dem Denker und dem Maler von Nutzen sein und das Darstellbare, um das es beiden geht, nicht vertan.

II.

Schafft der Künstler „Wirkliches“? Denkt der Philosoph sich „Wirkliches“ aus? Oder geht die Einbildungskraft, weil sie Vorstellbares zur Darstellung bringt, auf das „Unwirkliche“, und die Vernunft, weil die Realität so unvernünftig ist, auf das „Irreale“?

Bei einem französischen Philosophen lesen wir den Satz. „Es sollte endlich Klarheit darüber bestehen, daß es uns nicht zukommt, Wirklichkeit zu liefern, sondern Anspielungen auf ein…

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