Editorial , 1989

Lieber Leser,

als im März 1973 die erste KUNSTFORUM-Ausgabe erschien, hatte die neue Zeitschrift nur wenig Überlebenschancen, wenn auch die bestehenden Kunstzeitschriften zu der Zeit in Deutschland äußerst dürftig und ohne Einfluß waren, entweder von Künstlern redigiert wurden, die Politik für Ihre eigene, eher konventionelle Kunst betrieben oder von Galeristen und Grafik-Editeuren bestimmt waren, die sie quasi als Hausprospekte mit Alibi-Beiträgen betrieben : Das KUNSTFORUM schien im Format zu klein, im Druck nicht edel genug, im Anspruch zu hoch und in der Verklammerung mit dem Handel zu gering zu sein.

Man wartete auf die große eindrucksvolle Zeitschrift, die sich zum „Präsentieren“ eignete, wie es z.B. in Amerika mehrere gab, Zeitschriften mit denen man die großen Nachkriegsrichtungen Pop-Art, Colour-Field-Painting etc… durchgesetzt hatte. Und in der Tat war das, was die KUNSTFORUM-Aufmachung als Paperback über die Konzeption vermitteln sollte wirklich nicht opportun:

KUNSTFORUM wollte Zeitschrift für L e s e r sein, denen es weniger um die sichere Präsentation ging als um umfassendere Information, die nicht vor langen analytischen oder dokumentarischen Texten scheuten, die sich um historische und gesamtkulturelle Zusammenhänge bemühten und mit Hilfe entsprechender Materialsammlungen und kontroverser Diskussionen (der Name KUNSTFORUM sollte in dieser Beziehung ein Versprechen sein) ihre eigenen Urteile bilden wollten — für Leser also, denen klar war, daß die Beschäftigung mit Kunst eine anstrengende Sache ist, daß sie nicht nur eine lockere Sinnenübung ist, sondern daß mit Ihr eine Schärfung des Verstandes einhergehen muß und daß sie sehr, sehr viel Information bedarf.

War Arnold Gehlens Satz von der Kommentarbedürftigkeit des modernen Kunstwerkes…

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