Titel: Kunst und Philosophie , 1989

Florian Rötzer

II. Die idealistische Verwandtschaft von Kunst und Philosophie

Jede philosophische Kunsttheorie hat zu ihrem Ursprung die Frage, was Kunst und ästhetische Erfahrung in Abgrenzung zu anderen Gegenstands- und Erfahrungsbereichen und im Zusammenhang eines Gesamtverständnisses von Wissen für das bewußte Leben sind. Diese Frage kann selbstverständlich negativ beantwortet werden, und man mag sie als solche im Sinne irgendwelcher empirischen Theoriebildungen etwa über die spezifische Struktur des ästhetischen Urteils, über die formalen, ikonischen oder semantischen Kennzeichnen eines als ästhetisch reizvoll empfundenen Phänomens oder über die Einbettung in die Struktur der Wahrnehmung überhaupt suspendieren, doch wird man dabei das metaphysische Moment nicht letztlich auszuschließen vermögen. Diese Frage darf nicht mit der direkten Intention der traditionellen Philosophie verwechselt werden, sie in einen umfassenden Begriff des Ganzen und des Einen eintragen zu können, worin – wie in dem der Vernunft – alle Weisen des Verhaltens zur Welt integriert und in einem System methodisch vernetzt werden. Die philosophische Kunsttheorie der Neuzeit ist aus dem Begriff des Schönen entwickelt worden, der in keiner Weise kunstspezifisch ausgelegt war, ebenso wie die Künste nicht substantiell von den Handwerken unterschieden wurden. Daher blieben die Theorien der bildenden Künste beschränkt auf Herstellungsanweisungen, wie sie die aristotelische Poetik erstmals zum Ausdruck brachte, und auf eine kosmologisch, ontologisch oder theologisch begründete Konzeption des Schönen, das jene nachahmen sollten. In der Kantischen „Kritik der Urteilskraft“ wurde das Schöne, obgleich im wesentlichen immer noch indifferent zwischen dem Natur- und dem Kunstschönen, erstmals radikal subjektiviert und aus seiner ontologischen und epistemologischen Verklammerung gelöst.

Um zu unterscheiden, ob…

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