Titel: Kunst und Philosophie · S. 226
Titel: Kunst und Philosophie , 1989

Thomas Wimmer

Ästhetische Modelle der Kritischen Theorie

ODER DURCH DIE EISWÜSTE DES BEGRIFFS ZUR SEHNSUCHT
NACH DEM GANZ-ANDEREN

Die Crux jeder philosophischen Ästhetik ist, daß sie etwas begrifflich erklären soll, was sich strenggenommen nur zeigen läßt: das Schöne. Zugleich aber kann Ästhetik nicht auf ihren theoretisch-begrifflichen Anspruch verzichten, ohne sich selbst dabei aufzugeben. Verschärft wird dieses Dilemma noch durch die zeitgenössische Pluralität in der Kunst und das Zusammenrücken von Kunst, Design und Kunsthandwerk. Es hat den Anschein, als ob der Gegenstand des ästhetischen Fragens – die als „Schönheit“ bezeichnete Einheit von Anschauung und Begriff – gänzlich überholt sei.

Die ästhetischen Modelle von H. Marcuse, Th. W. Adorno und W. Benjamin stellten innerhalb der ästhetischen Theoriebildung einen Versuch dar, die angedeutete Antinomie zum Zentrum zu machen: Die ästhetischen Entwürfe der auch summarisch als „Frankfurter Schule“ bezeichneten Vertreter der Kritischen Theorie fordern sowohl ein Überschreiten der traditionell deduktiven Systemform der Philosophie als auch das Festhalten am philosophischen Begriff. Hierin mag mancher nur die Verlängerung des genannten Widerspruchs in die Philosophie hinein erkennen. Dies würde auch die relative Folgelosigkeit der „ersten Generation“ der Kritischen Theorie in der Gegenwart erklären. Nach meinem Dafürhalten spricht sich aber darin der unhintergehbare Stand moderner Kunsttheorie aus, welcher, sowohl thematisch als auch vom Niveau her, an den des deutschen Idealismus und der Romantik anknüpft. Wie in diesen assoziierten die Theoretiker der Frankfurter Schule die Schönheit der Kunst mit der philosophischen Wahrheit, jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, daß sie die „Wahrheit“ nicht mehr als eine metaphysische und unveränderliche Instanz ansahen. Dadurch trugen sie…

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