Titel: Kunst und Philosophie , 1989

Jean-Noël Vuarnet

Der Körper und das perverse Geld

PIERRE KLOSSOWSKI: ZUM WERK EINES KÜNSTLERPHILOSOPHEN

Einleitung

Nicht erst seit heute machen die Zeichnungen Pierre Klossowskis gelegentlich auf sich aufmerksam. Der Autor der Gesetze der Gastfreundschaft betrieb neben seinem literarischen und essayistischen Werk, wie man weiß, seit langem schon graphische Studien, unterstützt von Alberto Giacometti, André Masson und Georges Bataille. Diese verkannte (oder weniger bekannte) Seite des Klossowskischen Unternehmens hat sich bislang nur selten und zu einem kleinen Teil zu erkennen gegeben (in der sehr schönen illustrierten Ausgabe von Heute abend Roberte, ebenso in einem seltsamen Album: Lebendes Geld). Will man einen Aspekt aus der Tätigkeit dieses Romancier-Philosophen-Künstlers, der Klossowski ist, verstehen, so muß man ihn zusammen mit allen anderen zu begreifen versuchen und dabei die Einteilung der schöpferischen Arbeit und gar die Unterscheidung von Kunst und Denken überwinden. Und man muß zu begreifen versuchen, auf welche Weise eine plurale und medizinische Tätigkeit wie das Abhorchen und die Spiegelung von Körpern über mehrere Umwege hinweg die Darstellung der von ihr untersuchten und in Umlauf gebrachten Körper bewerkstelligt.

Man bemerkt wohl, daß die Zeichnung, die Kunst des Zeichnens, in bestimmten Fällen unmittelbar dem nahesteht oder nahegebracht werden kann, was die Literatur sichtbar macht. Manch seltenes Werk verweigert sich der Sonderung der verschiedenen Vermögen der Hand, der Einteilung der Fähigkeiten, indem es die Instanz des Buchstabens mit dem Zauber des Bildes vereint. Einige Zeichner schreiben, einige Schriftsteller treten als Zeichner hervor. Neben den bereits berühmten Fällen von Blake, Hugo, Baudelaire oder Michaux scheint der Fall Klossowskis dazu angetan, die…

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