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Ausstellungen: Berlin · von Matthias Reichelt · S. 317 - 318
Ausstellungen: Berlin , 1999

Matthias Reichelt
David Reeb

»Neue Bilder und Fotografien«
Haus am Lützowplatz, Berlin, 14.9. – 31.10.1999

David Reeb wurde 1952 in Rehovot, Israel, geboren. Er gehörte zu den Teilnehmern der 10. documenta 1997, wo er mit seinen Gemälden vorgestellt wurde. David Reeb malt nach Vorlagen von Pressefotografien Szenen des Alltags in Israel, die die Besetzung palästinensischer Gebiete, Verhaftungen, Schießereien und die Intifada darstellen.

Paul Sztulman schrieb damals im documenta-Kurzführer über die Bilder: „Sie (die Gemälde, d.V.) betonen weder die dramatische Dimension noch die obszönsten Seiten der Gewalttätigkeit, sondern zeigen die Routine der Verhaftungen und kleinen Scharmützel, die Banalität der alltäglichen Unterdrückung, der Gefahr und der Wut.“

Routine und Banalität sind auch für seine neuen Arbeiten, die kürzlich im Haus am Lützowplatz zu sehen waren, treffende Termini.

Bereits auf der Einladungskarte zur Ausstellung im Haus am Lützowplatz wird hinter dem Namen des Künstlers sein Geburtsland genannt, womit beabsichtigt oder unbeabsichtigt ein Kontext vorgegeben wird. Israel, dessen Existenz untrennbar mit dem Holocaust verbunden ist und das sich seit seiner Gründung erfolgreich der Feinde erwehrt, diesen Erfolg aber mit einer starken Militarisierung des Alltags bezahlen muss. Die Präsenz des Militärs ist integraler Bestandteil der israelischen Zivilgesellschaft.

In seinen neuen Acrylgemälden, durchweg im Format 160 x 140 cm, bannt Reeb die augenscheinliche Oberfläche des Alltags: TV-Bilder, hebräische Zeitungsannoncen. Einige seiner Bilder besitzen eine graffitiähnliche Rohheit, schnell und in naiver Abstraktion gemalt. Reeb lotet das Bild von der Wirklichkeit aus, das wir uns machen. Geprägt wird unser Bild von der Wirklichkeit aber kaum durch unmittelbare Erfahrungen, sondern durch die mediale Vermittlung. Genau…



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von Matthias Reichelt

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