Ausstellungen: Berlin · von Noemi Smolik · S. 316
Ausstellungen: Berlin , 1999

Noemi Smolik

Michel Majerus

Galerie neugeriemschneider, Berlin, 31.8. – 2.10.1999

Im Vergleich zu den vor zwei Jahren in der Berliner Galerie neugeriemschneider oder in der Baseler Kunsthalle gezeigten Bildern sind die neuen Bilder von Michel Majerus eher zurückhaltend. Auf den früheren Bildern tauchten nebeneinander und übereinander Zitate aus der gesamten Kunstgeschichte auf. Für Majerus schien alles verfügbar zu sein: Rubens, Runge, Watteau, Cézanne, Schwitters, de Kooning, Warhol und Disney. Ein Affe von Disney neben den schwarzen Strichen de Koonings bildeten in ihrem radikalen Widerspruch verführerische visuelle Effekte, die jedes traditionelle Verständnis von Bild und Inhalt, von Bild und Ausführung, von Bild und Absicht ad absurdum führten.

Angesichts solcher Bilder sprach die Kunstkritik vom Pluralismus, für dessen Erfinder sie Majerus zwar nicht hielt, dafür aber für dessen radikalsten Vollstrecker. Mit beneidenswerter Leichtigkeit verfügte Majerus in seinen Bildern über unterschiedlichste Stile, Motive, Techniken, historische Überlieferungen der Kunstgeschichte, über Erzeugnisse der Massenkultur und über visuelle Spuren der virtuellen Welt, die gleichwertig und ohne Prioritäten die Flächen seiner Bilder in einem vergnügten Nebeneinander füllten. Der Verlust von Authentizität, Originalität und Subjektivität durch dieses Verfahren – von diesen zentralen Begriffen der modernen Kunsttheorie – war Majerus bewusst, wurde von ihm aber nicht beklagt. Schon gar nicht der so oft vorausgesagte Tod der Malerei. Warum auch? Seine Malerei lebt, gedeiht, breitet sich weiter vergnügt aus.

Und sie gedeiht und breitet sich auch in seiner letzten Ausstellung in der Berliner Galerie neugeriemschneider aus. Sie tritt vor die Wand als ein Bild, das eine Doppelseite der populären Zeitschrift „Bravo“ zeigt. Das Bild ist…

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