Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte · von Ute Thon · S. 432
Magazin: Aktionen, Pläne & Projekte , 1999

Ute Thon

Der Bürgermeister, die Kunst und der Elefantendung

Wie eine Kontroverse um die »Sensation«-Ausstellung junger britischer Künstler in New York zum nationalen Kulturkrieg wird.

Wer hätte gedacht, dass ein Klumpen Elefantendung einmal Weltpolitik machen könnte oder doch zumindest die politischen Fundamente einer Weltstadt nachhaltig erschüttert? Genau das passiert derzeit in New York, wo der Bürgermeister schwerste Geschütze gegen ein städtisches Museum auffährt, um eine kontroverse Kunstausstellung zu verhindern, weil er in der Show Verunglimpfung religiöser Symbole sieht. Seitdem treten täglich neue Prominente zum öffentlichen Duell an: Hillary Clinton gegen Rudolph Giuliani, David Bowie gegen Cardinal O’Connor, der PEN Club gegen radikale Tierschützer. Es herrscht Kulturkrieg in New York.

Anlass der Aufregung ist „Sensation“, eine Ausstellung mit britischen Künstlern wie Damien Hirst, Rachel Whiteread, Gary Hume und Sarah Lucas, die am 2. Oktober im Brooklyn Museum of Art startete. Die Show wurde vor zwei Jahren zuerst in Londons Royal Academy of Arts und später in Berlins Hamburger Bahnhof gezeigt. Eigentlich ein alter Hut also, besonders für die Trendmetropole New York. In Europa waren die Reaktionen auf die provozierenden Arbeiten, u.a. halbierte Schweine in Formaldehyd, das Porträt einer britischen Kindsmörderin, eine Büste aus gefrorenem Menschenblut, gemixt. Nicht wenige kritisierten den vordergründigen Schockeffekt der Arbeiten, die alle aus der Privatsammlung des britischen Werbetycoons Charles Saatchi stammen. Doch die Besucherzahlen erreichten Rekordhöhen. Ähnlichen Hype erhoffte sich wohl auch Arnold Lehman, der Direktor des Brooklyn Museum, als er die Show für rund 1 Million Dollar akquirierte. Denn seine Institution ist zwar New Yorks zweitgrößtes Museum, leidet wegen ihrer…

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