Titel: Insel Austria , 1987

Der Misstrauische

Ein Gespräch mit Otto Breicha über die Junge Österreichische Kunstszene und darüber, was davor gewesen war

Zwischen der großen internationalen Anerkennung der österreichischen Avantgarde (Rainer, Nitsch, Lassnig usw.) in den siebziger Jahren und dem schnellen Erfog einer jungen Malergarde Anfang der achtziger Jahre lag nur eine kurze Spanne – eine zu kurze Spanne, meinen einige, um einer »Zwischengeneration« den entsprechenden Raum zum »Durchbruch« zu lassen. Otto Breicha, der langjährige Leiter des Grazer Kulturhauses und seit einigen Jahren auch des Museums am Rupertinum in Salzburg hat sich immer wieder in Ausstellungen und Publikationen dieser »vergessenen Generation«? gewidmet.
Die Publizistin Lisbeth Waechter-Böhm versuchte, ihn – dieses »Monument der österreichischen Kunstszene« – auf seine Meinung zur jungen Szene abzuhorchen und sprach mit ihm auch über das An- und vor allem Verkennen Österreichischer Kunst im Ausland, über Vaterschaften und Nichtvaterschaften, über die »echten« Kunstanliegen von damals und die »Beliebigkeiten« und den Kunstkommerz von heute.

Liesbeth Waechter-Böhm: Im Jahre 1985 haben Sie im Grazer Kulturhaus eine Ausstellung mit dem vielversprechenden und programmatischen Titel »Innovativ« organisiert. »Innovativ«, hat aber genau jenen Teil der österreichischen jüngeren Künstlergeneration weitgehend ausgespart, der heute international einen gewissen Erfog vorweisen kann. Von diesen Künstlern waren eigentlich nur Anzinger und Bohatsch vertreten.

Otto Breicha: Programmatisch würde ich diese Ausstellung nicht nennen. Die Zusammenstellung hatte auch sehr viel mit meiner Sammeltätigkeit für das Salzburger Rupertinum zu tun. Aber meine subjektive Perspektive drückt sich natürlich schon darin aus. »Also: Wie ich es sehe«, das war dann ja auch der Titel meiner Einleitung für das Katalogbuch. Ich…

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