Magazin · von Jochen Becker · S. 502
Magazin , 2001

Deterritorialisierung und Moderne

Iwona Blazwick (Hg.), Century City

Als erste Themenausstellung der kürzlich eröffneten Tate Modern soll die Londoner Ausstellung ,Century City‘ Maßstäbe setzen für die künftige Ausrichtung der erweiterten Museumsarbeit. Die Ausstellung wurde durch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm sowie einen Katalog begleitet. Dieser fällt in zwei Blöcke – einmal der zeitgenössische, von Aufständen durchzogene Blick auf Bombai/Mumbai, Lagos, London, New York, Rio und Tokyo, sowie die historischen Reflexionen über Moskau, Paris und Wien als Orte einer vergangenen Moderne. Jeder Stadt ist ein Zeitspanne zugewiesen, welche diese im Laufe des 20. Jahrhunderts als relevant erscheinen lässt. Die im Buch alphabetisch aneinandergereihten Metropolen fallen entlang der Demarkationslinie des Zweiten Weltkriegs auseinander – in Objekte spröder Literaturstudien und Archivarbeit, denen an eigenen Erfahrungen entwickelten Stadtsichten gegenüberstehen. Das Vorwort sowie drei Essays etwa zu den jüdischen Stränge der metropolen Stadt- und Kulturentwicklung versuchen die beiden Blöcke aneinander zupressen.

Die ausgewählten Metropolen des Jahrhunderts gründen sich auf ihr „intensives kreatives Umfeld“ und eine „beispielhafte Verschiebungen in der modernen Kunst“, heißt es im Begleitbuch. ,Century City‘ konzentriert sich auf die visuelle Kunst, von denen etwa 1.000 Exemplare im Rahmen der Ausstellung präsentiert wurden. Das Privileg des reich bebilderten Katalog ist es, die gesellschaftspolitische Entwicklung der Städte in Beziehung zu setzen zur Kunstpraxis. Deshalb wohl fehlen Karten zur geografischen Orientierung. „Die Stadt ist das Medium für das Moderne“, schreibt die leitende Kuratorin Iwona Blazwick in der Einleitung und gibt damit die Linie vor. Um „die Idee der Moderne zu feiern, wie sie definiert, entblättert und neu erfunden wurde im Kontext…

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